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Celle Stadt Die Welt als Farbenspiel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Die Welt als Farbenspiel
22:03 26.03.2017
Lutz Bolldorf (hier vor seinem Gemälde „Brücke blau“) stellt in der Galerie „SchwarzKunst“ in Celle aus. Quelle: Alex Sorokin
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Bolldorf entschied sich seinerzeit für die Malerei, weil er „schon immer Gefallen am freien Leben“ hatte. „Ich wäre gern auch Musiker oder Schriftsteller geworden, doch dann merkte ich, dass ich gut zeichnen kann“, sagt er. In seinen Grafiken beweist er aber auch seinen ausgeprägten Farbsinn und zeigt, wie man über wechselnde Farben zu ganz unerwarteten Wirkungen gelangen kann. Dabei ersetzt gedämpftes Kolorit mitunter inhaltliche Tiefe.

Den Atem des Gegenwärtigen sucht man in Bolldorfs Bildern vergebens. Stattdessen eine stillstehende Zeit. Seine Bilder seien quasi Momente der Ruhe, des Verweilens, eingefangene Blicke von Momenten, in denen eigentlich nichts passiert, gewissermaßen eine Auszeit vom Leben, wie Bolldorfs Kollege, der „Malerphilosoph“ Rüdiger Giebler, konstatiert. Es seien aber gleichwohl „Bilder, in denen echtes gelebtes, nicht immer nur gut gelebtes Leben steckt“. Bolldorf arbeite sich an verblassenden nachlassenden Erinnerungen ab. Er sei ein pragmatischer Künstler, der in seinen Bildern über das täglich Sichtbare nachdenkt, und das seien zumeist und zuerst Frauen. „Die sitzen und liegen dann da, als Monumente eines unergründlichen Faszinosums, als Rätsel der Welt, als personifiziertes Glück, ganz nah, ganz weit weg ...“, und sie gehen nicht mehr weg. Bilder, die farbenprächtig, sinnlich, gemütlich und anziehend „aus der Gedächtnissuppe auftauchend“ immer wieder kommen. Sie werden zum Denkmal. Bezogen auf die gut ineinander gefügten Farbfelder werden die Darstellungen der Körper zu einer autobiografischen Landschaftsmalerei, wie sein Bild „Liegende“ eindrucksvoll zeigt. Ein Mensch „bestehend aus Farbtönen, ausgefüllt in den Rändern seiner gemalten Existenz“, wie Giebler es formuliert, „aus fettem Farbmaterial, Farbmasse und klumpigen Schichten“. Ein Malstil, der aber auch in anderen Bildern, etwa bei „Brücke blau“ und „Treppe in der Landschaft“ zur Anwendung kommt: die Welt als Farbenspiel.

Von Rolf-Dieter Diehl