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Celle Stadt Die Zehnte Muse begeistert Celler Publikum
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Die Zehnte Muse begeistert Celler Publikum
16:41 13.01.2014
Die Zehnte Muse Quelle: Benjamin Westhoff
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Es war ein Abend der etwas anderen Art: ruhig im Ablauf, satirisch lauter und musikalisch fast leise. Gedichte vorzutragen und Lyrisches zu vertonen ist auf der Bühne nicht mehr ganz so en vogue, wie es scheint. Jedenfalls wenn es außerhalb großer Häuser oder hipper Szene-Events geschieht. Das zeigte auch die überschaubare Besucherzahl in Kunst & Bühne, als am Sonnabend „Die Zehnte Muse“ zum Vortrag kam.

Es waren die Schauspieler Fried Wolff aus Ratzeburg, bekannt aus TV-Serien und von den Karl-May-Festspielen, sowie Wolfgang Gellert aus Geversdorf bei Cuxhaven, der unter anderem am Wiener Burgtheater wie auch am Celler Schlosstheater spielte, die sich auf die kuriose literarische Reise begaben, lyrische Raritäten wie komische Anekdoten aus der Welt des Theaters zum Besten gaben.

Dafür nahmen sie sich Zeit. Gellert gönnte sich ein Gläschen Rotwein, Wolff brachte Gitarrenklänge und Mundharmonikazauber ein. Zwischendurch halfen sich die beiden Männer gegenseitig in manche Robe für schauspielerisch untermalte Szenerien. Es war die kleinteilige Reichhaltigkeit des Bühnenprogramms, die es zu einem kurzweiligen Hör- und Sehgenuss machte. Grundlage für das Programm ist Maximilian Berns 1904 erstmals veröffentlichte Sammlung „Die zehnte Muse“, ein heiter-freches, ernst-übermütiges, zeitloses Konglomerat deutschsprachiger Lyrikschätze und Romanzen, Fabeln, Satiren und Vagabundenlieder, eine Anthologie mit dem Untertitel „Dichtung vom Brettl und fürs Brettl“.

Die beiden Bühnenschauspieler, die sich am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg kennenlernten, hatten ihr Vergnügen an den humorvollen, frechen wie teils auch melancholischen Passagen. Da wechselten selten gehörte Heine-Gedichte mit einem surrealistischen Vierzeiler, ausgespielte Kurzstücke wie von einem Pariser Clochard mit Versprechern aus der Theaterwelt. Nicht alles besitzt dieselbe geistreiche Würze, so das Ständchen von der Tante und ihrem Papagei. In der Abwechslung aber liegen Erbauung und Witz, setzend auf ein harmonisch-vertrautes Zusammenspiel. Die musikalischen Einlagen hat Wolff selbst vertont. Dabei fiel besonders die text- und melodieschöne Darbietung von Fontanes „Herrn Ribbeck zu Ribbeck auf Havelland“ auf. Gellert, der den Text- und Regiepart übernahm, amüsierte mit Klabunds „Ick baumle mit de Beene“, mit dem „Hund in der Wüste“ oder mit dem „Eiersegen“. Auch gemeinsam in der Nummer „Die Löwenmacher“ hielten sie das Publikum, das jedes Mal Zwischenapplaus gab, bei guter Laune. Vier Zugaben musste das sympathische Duo geben. Verse auf Bühnenbrettern vermögen also doch noch ihre Magie zu entfalten. Goethes „Faust“ behielt Recht: „Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.“

Von Aneka Schult