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Celle Stadt Dieter Nuhr begeistert bei Auftritt in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Dieter Nuhr begeistert bei Auftritt in Celle
15:59 12.04.2013
Von Andreas Babel
Pose für den - CZ-Fotografen, den Dieter Nuhr direkt in - sein Programm mit - einbezieht: „Ist das - privat oder gibt’s - hier ’ne Zeitung?“ Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Nur in T-Shirt, Jeans und sportlichen Schuhen steht er da. Kein Bühnenbild stört, keine Leinwand. Dieter Nuhr hat die ganze Aufmerksamkeit der rund 1100 Besucher seines Comedy-Abends in der Congress Union. Den Unterschied zwischen Comedy und Kabarett erklärt er wie folgt: „Bei Comedy sind Sanitäter da, bei Kabarett die Bestatter, die ein Geschäft wittern“, spielt er auf das vermeintliche Alter der Kabarett-Liebhaber an. Als Hilfsin-strument für sein zweieinhalbstündiges Gastspiel hat er einen Tablet-Computer dabei, den er aber eigentlich gar nicht benötigt. Er scheint ihm aber die nötige Sicherheit zu geben. Souverän streift er die großen und kleinen Probleme der Menschheit. Da ist die Rede von Seelenwanderern, Salafisten, Welt-Rettern und Rating-Agenten. Der Papst und die katholische Kirche bekommen ihr Fett weg und augenzwinkernd betrachtet er die Klimaerwärmung.

Öfter macht er sich über des Deutschen Seele lustig. „Der zufriedene Mensch hat sich bei der Evolution nicht durchgesetzt“, erklärt sich Nuhr, warum so viele Menschen gerade in unserem Land so düster in den Tag hinein leben. Aber auch er sei nicht ganz frei von Wut. So störe es ihn zum Beispiel, wenn er vor einem Zug-Halt die Lautsprecherdurchsage höre: „Vielen Dank, dass Sie die Deutsche Bahn gewählt haben.“ Er habe doch gar keine Alternative: „Welche Bahn fährt denn da noch? Ich wäre auch lieber mit Jim Knopf nach Celle gefahren.“

Wenn er mal mit seinem Auto unterwegs sei, dann ärgere er sich auch, wenn er nach einer 30 Kilometer langen Baustelle das Schild „Vielen Dank für Ihr Verständnis“ sieht. „Hatte ich gar nicht“, meint er. Er glaubt vielmehr den Schlüssel für solche Riesenbaustellen auf Autobahnen, auf denen nicht gearbeitet werde, gefunden zu haben: „Ich glaube, die haben kein Lager für ihre weiß-roten Barken.“ Wahrscheinlich fährt er BMW, denn warum sollte er sonst Anrufe von Service-Mitarbeitern dieser Firma erhalten, die er beschimpft, weil sie nur ihre Mitarbeiter denunzieren wollen.

Überall auf der Welt sei es besser als in Deutschland, meint Nuhr, selbst in Afghanistan hätten die Menschen mehr Spaß. „Wenn bei uns Selbstmord-Attentate erlaubt wären, müssten Selbstmord-Attentäter einen Helm tragen“, nimmt er die deutsche Regelungswut aufs Korn.

Die weltpolitische Entwicklung erklärt er wie folgt: Die Europäer hätten neben dem Porzellan auch das Schießpulver von den Chinesen geklaut. „Mit diesem Schießpulver haben wir dann das Abendland aufgebaut. Und jetzt holt der Chinese auf und wir werden immer dümmer.“ Die heutige Klimaerwärmung und die Bedrohung einzelner Tierarten entstünden für Nuhr dadurch, dass immer mehr Milchkühe durch ihre Methan-„Abgase“ den Treibhauseffekt anheizten. „Weil der Chinese Latte macchiato saufen will, muss unsere Rotbauchunke sterben“, ist Nuhrs Schlussfolgerung.

Neben diesen alltagsphilosophischen Betrachtungen punktet der 52-Jährige vor allem, wenn er seine Jugendzeit mit der heutigen übertechnisierten Phase vergleicht. Schade ist nur, dass auch er öfter platte Witze unterhalb der Gürtellinie reißt. Man muss nicht prüde sein, um festzustellen: Das hat er nicht nötig.

Andreas Babel