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Celle Stadt Diskussion in Celle über Charisma in der Politik
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Diskussion in Celle über Charisma in der Politik
20:24 05.11.2014
Von Gunther Meinrenken
Braucht die deutsche Politik mehr Charismatiker? Diese Frage diskutierten am Dienstag Landrat Klaus Wiswe, Autorin Julia Encke, Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und Superintendent Hans Georg Sundermann in der Stadtkirche. Quelle: Benjamin Westhoff
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Charismatische Politiker können helfen, Begeisterung für Politik zu wecken, aber nur, wenn ihr Charisma an Inhalte geknüpft ist. So könnte man die Diskussion zusammenfassen, zu der am Dienstag die in Celle geborene Autorin Julia Encke, Landrat Klaus Wiswe, Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und Superintendent Hans-Georg Sundermann zusammenkamen. Im Rahmen der Reihe "Kirche trifft..." hatte die Stadtkirche und die Buchhandlung Decius Encke zu einer Lesung aus ihrem jüngst erschienenen Buch "Charisma und Politik" eingeladen und etwa 150 Celler waren in die Stadtkirche gekommen.

Begeistert von Barack Obama hatte sich Encke auf die Suche nach Charismatikern in der bundesdeutschen Politik gemacht. Drei Beispiele trug sie vor: Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Joschka Fischer und Karl-Theodor zu Guttenberg. Mit treffenden Formulierungen und Sprachwitz entlarvte Encke, die im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin arbeitet, bei allen das Charisma als Großvatereffekt, Gebundenheit an die Macht oder als pure Verwechslung mit guten Manieren. Doch ohne Charisma, so ihre These, droht der Demokratie die Erstarrung.

In der anschließenden Diskussion warf Sundermann, der als Moderator fungierte, die Frage auf, ob Charismatiker nicht auch ein Mittel wären gegen Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit. Wiswe machte geltend, dass die Wahlbeteiligung dort nachlasse, wo es den Menschen gut gehe. Konflikte oder Ängste wie die aktuelle Debatte um den Bau der Y-Trasse vor Ort, steigerten hingegen das Interesse an Politik. Charisma allein könne aber auf Dauer die Unfähigkeit eines Politikers nicht zukleistern, merkte Wiswe an.

Mende stellte heraus, dass heutzutage viel verwaltet werde. Der gestalterische Aspekt sei in den Hintergrund getreten. Er sorge sich darum, "dass die Gefahr besteht, dass eine überalterte Gesellschaft erstarrt, wie dies schon in Japan geschehen ist." Ein Gedanke, der auch Encke umtreibt: "Die jungen Leute kommen dagegen nicht an. Wir müssen uns fragen, wie man den Aktionismus von jungen Menschen in die Politik leitet", merkte die Autorin an.