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Celle Stadt Diskussion über Hitlers Generäle in Celler Ortsräten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Diskussion über Hitlers Generäle in Celler Ortsräten
20:33 08.02.2015
Von Michael Ende
Lange Zeit Hitlers Lieblingsgeneral, dann von den Nazis in den Tod getrieben: Generalfeldmarschall Erwin Rommel
Celle Stadt

Ohne viel Aufsehen könnte in Scheuen die Umbenennung der Fritschstraße vor sich gehen – schließlich hat sich Ortsbürgermeister Axel Fuchs (CDU) schon eindeutig dafür ausgesprochen. Anders in Groß Hehlen, wo es um die NS-Generäle Erwin Rommel und Carl-Heinrich von Stülpnagel geht.

Mit Verwunderung habe er zur Kenntnis genommen, dass der Verwaltungsausschuss für die 77er Straße das Anbringen einer Plakette, die auf ein 1914 von der Truppe begangenes Massaker hinweisen solle, für auskömmlich halte, aber gleichzeitig den Ortsräten eine Umbenennung ihrer Straßen empfehle, so Klein Hehlens Ortsbürgermeister Klaus Didschies (CDU): „Welche neuen belastenden Erkenntnisse und Begründungen wird der Verwaltungsausschuss den Ortsratsmitgliedern an die Hand geben, die eine Umbenennung der Straßen durch den Ortsrat rechtfertigen?" Didschies verweist darauf, dass es 2010 von Oberbürgermeister Dirk Ulrich Mende (SPD) geheißen habe, eine „Umbenennung dieser Straßennamen sei zu vernachlässigen“. Didschies: „Nur so ist es zu erklären, dass es heute noch in anderen Städten wie Berlin und Lübeck eine Stülpnagelstraße gibt und anderswo auch Rommelstraßen zu finden sind und die größte Kaserne des deutschen Heeres in Augustdorf seinen Namen trägt.“

In Klein Hehlen würdige man aber nicht die „Heldentaten“ des Generalfeldmarschalls Rommel und des Generals von Stülpnagel, sondern einen Teil der Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, so Didschies: „Neben Rommel und Stülpnagel auch andere Offiziere, Pädagogen, Juristen, Politiker, den Theologen Dietrich Bonhoeffer und die Geschwister Hans und Sophie Scholl.“ Er sehe sich nicht in der Lage, das Wirken der Namensgeber der Straßen in jener unheilvollen Zeit mit heutigen Maßstäben zu bewerten: „Und eine 100-prozentige Gewissheit über das Denken und Handeln der Betroffenen wird es nie geben.“

Aber vielleicht gebe es am 18. März bei der nächsten Ortsratssitzung in Klein Hehlen neue Erkenntnisse aus dem Verwaltungsausschuss, die für eine Umbenennung sprechen könnten, so Didschies: „Spätestens dann wissen wir auch, ob und von wem aus unseren Reihen im Ortsrat ein Antrag auf Umbenennung gestellt wird. Ich werde mich in diesem Punkt zurückhalten, da ich zurzeit keinen Handlungsbedarf aus Sicht der Klein Hehlener Bevölkerung erkennen kann.

Einen entsprechenden Antrag könnte zum Beispiel Susanne Seitz (Grüne) stellen: „Da Rommel seine ruhmreiche Karriere zweifelsfrei seinem Verhalten als loyaler hitlertreuer General verdankt, der auch völkerrechtswidrige Verbrechen in Italien mittrug, darf man ihm nicht länger durch einen Straßennamen ein ehrendes Denkmal setzen. Stülpnagel war zwar in das Attentat gegen Hitler verwickelt, aber er hat sich in Wort und Tat als überzeugter Antisemit profiliert, so dass keine Straße in Deutschland nach ihm benannt werden sollte.“

„Ich kann dem Vorschlag des Verwaltungsausschusses, die Rommel- und die Stülpnagelstraße umzubenennen, uneingeschränkt folgen. Weder Rommel noch Stülpnagel sind meiner Ansicht nach geeignet, als Namenspatrone für Straßen zu dienen. Ihre jeweilige Verbindung zum militärischen Widerstand des 20. Juli 1944 und die daraus resultierende Verfolgung und Ermordung durch das Nazi-Regime reicht nicht aus, um als Vorbild zu dienen“, meint auch Mathias Pauls (SPD). Von der Straßenumbenennung würden knapp 40 Personen betroffen sein: „Diese Bürger müssen meiner Ansicht nach in die Suche nach neuen, würdigen Namen für ihre Straßen einbezogen werden. Die neuen Straßennamen sollen zum Klein Hehlener Widerstandsviertel passen, aber die Entscheidung darf nicht über die Köpfe der Anwohner hinweg getroffen werden.“