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Celle Stadt Diskussion über „Sprachliche Brandstiftung“ in der Turmbühne des Celler Schlosstheaters
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Diskussion über „Sprachliche Brandstiftung“ in der Turmbühne des Celler Schlosstheaters
15:54 06.12.2017
Quelle: Peter Bierschwale
Celle

Mit „Biedermann und die Brandstifter“ verfasste Max Frisch eine Satire über die Unfähigkeit des Menschen, vorhersehbare Katastrophen zu verhindern, der Bezug zur „Machtergreifung“ der Nazis war nicht zu übersehen. Doch „sprachliche Brandstiftung“ fand nicht nur damals statt, sondern es gibt sie auch gegenwärtig.

Da bereitet die „sprachliche Verrohung“ im Internet Sorgen, und auf die Frage der Journalistin Alice Lanzke, an was denn die anwesenden Gäste beim Stichwort „sprachliche Brandstiftung“ denken würden, kamen aus dem Publikum naheliegende Begriffe wie „Pegida“ oder „AfD“.

Lanzke gehört der Organisation „Neue deutsche Medienmacher“ an, die sich für „Vielfalt in den Medien“ einsetzt und bei Journalisten für eine wertfreie und präzise Verwendung von Sprache wirbt. Sie ist Mitverfasserin eines „Glossars“ (http://glossar.neuemedienmacher.de/), das beispielsweise erläutert, wie sich die Begriffe Zuwanderer, Migrant oder Flüchtling unterscheiden.

Sprachliche Brandstiftung gebe es nicht nur im Zusammenhang mit den Geflüchteten, auch bei anderen Themen bedürfe es einer sprachlichen Sensibilität, beispielsweise, wenn davon die Rede sei, dass jemand an einen Rollstuhl „gefesselt“ sei oder an einem Downsyndrom „leide“, erklärte Alice Lanzke.

Auch der Begriff „Lügenpresse“ habe seine Wirkung nicht verfehlt, denn er habe „viele Kollegen massiv verunsichert“. Manche würden überlegen, sich nicht mehr so vorsichtig auszudrücken. Und unterschwellig spiele die Angst vor „Hate-Speech“ eine Rolle, also der massenhaften Beschimpfung in den Social Media.

Nach den Vorgängen in der Kölner Sylvesternacht sei der Pressekodex geändert worden, was es den Medien erleichtere, in der Berichterstattung über Vorkommnisse „bei begründetem öffentlichem Interesse auch die Nationalität der Beteiligten zu nennen.“ Das sei eine unpräzise Formulierung, und die Medien würden immer mehr dazu übergehen, die Nationalität zu nennen, auch wenn die oftmals gar nicht wichtig für die Berichterstattung sei, erklärte Lanzke. An diesem Punkt äußerten auch die Diskussionsteilnehmer deutliches Unbehagen: Dadurch könne eine latente Ausländerfeindlichkeit geschürt werden.

Man habe in der Diskussion „verschiedene Fässer“ aufgemacht, meinte Andrea Hoffmann in ihrem Schlusswort. In der Tat enthielt das Thema viele Facetten, man hätte damit mehrere Veranstaltungen bestreiten können.

Von Peter Bierschwale