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Celle Stadt "Don Carlos" am Celler Schlosstheater umjubelt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Don Carlos" am Celler Schlosstheater umjubelt
08:32 05.09.2016
Celle Stadt

Neben dem Menschendrama steht ganz selbstverständlich immer auch das Ideendrama. Döring entwickelt es mit deutlicher Liebe zum Text und ohne jede Effekthascherei plausibel. Am Premierenabend verfolgte das Publikum das rund dreistündige Geschehen auf der Bühne nahezu atemlos. Da gab es keine Minute Langeweile.

Don Carlos, Infant von Spanien, liebt Königin Elisabeth, seine Stiefmutter. Ursprünglich mit ihm verlobt, hat sie aus politischen Gründen die Ehe mit seinem Vater, König Philipp II., geschlossen. Mit Unterstützung seines Freundes Marquis von Posa gelingt es Carlos, sich heimlich mit der Königin zu treffen. Aber letztlich ist der nicht gekommen, um Carlos in Liebesdingen zu helfen. Sein Interesse gilt vielmehr den Freiheitsbestrebungen der Flamen. Aus Familien- und Liebeskonflikten wird ein politisches Drama. Bühnen- und Kostümbildner Martin Käser hat dazu mit Hilfe der Bühnentechnik und geschicktem Lichtwechsel ein schnell veränderbares, aus vielen einzelnen Wänden bestehendes Bühnenbild gebaut. Das sichert den ununterbrochenen Fluss der Handlung und bietet gleichzeitig Unterstützung für das Bühnengeschehen.

Ohne Ausnahme souverän in Textsicherheit und Darstellung agieren die insgesamt sieben Schauspieler. Schmerzlich vermisst wird dabei allerdings die gestrichene Rolle des Großinquisitors nach der Pause. Seine Präsenz hätte am Ende die menschliche Tragik König Philipps stärker verdeutlicht, als es sein hinzugefügter, innerer Monolog vermochte. So blieb es bei einer starken, sehr differenzierten Leistung von Johann Schibli. Sein Philipp ist sowohl von robuster Strenge als auch emotional durchaus empfindsam. Als Meister der genau gesetzten Pausen und als Darsteller mit eindrucksvoller Bühnenpräsenz erweist sich Maurizio Micksch. Sein Don Carlos hat viele Facetten, seine verbale Ausdruckskraft beherrscht die Szene. Einen gelungenen Einstand am Schlosstheater feiern Irene Benedict als Elisabeth und Christoph Schulenberger als Marquis von Posa. Da darf man auf weitere Rollen durchaus gespannt sein. Eine intrigante Eboli ist Johanna von Gutzeit und energisch-barsch gibt sich Dirk Böther als Herzog von Alba. Als eher zurückhaltender Beichtvater Domingo agiert Jürgen Kaczmarek. Nach atemloser Spannung gab es am Schluss verdient kräftigen und lang anhaltenden Beifall.

Von Hartmut Jakubowsky