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Celle Stadt Drei Celler Direktkandidaten lösen Tickets nach Berlin
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Drei Celler Direktkandidaten lösen Tickets nach Berlin
11:06 26.09.2017
Von Carsten Richter
Vertreten Celle im Bundestag: (von links) Henning Otte, Kirsten Lühmann und Thomas Ehrhorn. Quelle: privat/CZ
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Welche Rolle ihre Fraktion in der neuen Legislaturperiode voraussichtlich einnehmen wird, stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest. SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte gleich nach der ersten Hochrechnung angekündigt, für eine Fortsetzung der Großen Koalition nicht zur Verfügung zu stehen. „Die Wähler haben uns einen klaren Auftrag in der Opposition gegeben – das müssen wir ernst nehmen“, bewertet Lühmann die historische Niederlage der Sozialdemokraten. Der AfD hingegen dürfe man nach ihrem Wahlerfolg nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, warnt die 53-Jährige. „Vernünftige Sacharbeit wird mit der AfD nicht möglich sein“, vermutet sie. „Mit Henning Otte und mir ist der Landkreis Celle sehr gut aufgestellt.“ Der AfD-Abgeordnete Thomas Ehrhorn als Neuling im Bundestag müsse sich dagegen vor Ort erstmal ein Netzwerk schaffen.

Für CDU-Kandidat Otte stand der Wiedereinzug in den Bundestag schon früh fest. „Das Ergebnis ist für mich ein Auftrag, auch künftig für die Menschen im Landkreis da zu sein“, sagt der Abgeordnete aus Eversen. Einer rechnerisch sehr wahrscheinlichen Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen sieht Otte positiv entgegen. „Wir haben ein klares Profil, zum Beispiel den ländlichen Raum zu stärken.“ Das gelte es zu verteidigen. Nun müssten die Sondierungsgespräche zeigen, mit welchen Parteien es größere Schnittmengen gibt. „Wir werden auch mit der SPD reden“, kündigt Otte an. „Sie kann sich dem nicht verweigern.“ Der AfD hätten in erster Linie Protestwähler zum Erfolg verholfen. „Die Menschen sind verunsichert. Wir müssen mit Sachargumenten überzeugen“, sagt der 48-Jährige.

Für Ehrhorn war es eine kurze Nacht. Um 2.30 Uhr hatten die letzten Gäste die Wahlparty des AfD-Kandidaten in Jarnsen verlassen. Nach seinem Einzug in den Bundestag beginnt für den 58-Jährigen ein neuer Lebensabschnitt. Aus dem Piloten wird der Politiker. Seinen langjährigen Beruf bei der Deutschen Flugsicherung will er aufgeben.

Gedanklich ist er bereits im Bundestag angekommen. „Es ist notwendig, einen vernünftigen und nicht zu emotionalen Diskurs zu führen“, so Ehrhorn mit Blick auf die Äußerungen von Spitzenkandidat Alexander Gauland. „Seine Worte haben mich geärgert“, sagt der Jarnser deutlich. Die AfD werde „Frau Merkel jagen“, hatte Gauland erklärt. „Wir sind eine bürgerliche, aber konservative Partei. Diese Erwartungshaltung haben die Menschen an uns“, distanziert sich Ehrhorn. Den allgemeinen Vorwurf der Rechtsradikalität seiner Partei wolle er fest entschlossen entkräften.