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Celle Stadt Drei Kleeblätter in Celler Garnisonkirche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Drei Kleeblätter in Celler Garnisonkirche
17:02 23.06.2017
Celle Stadt

Nach dem Willen von Kaiser Wilhelm II. wurde am 9. Juni 1901 der Grundstein für die heutige Garnisonkirche im damals so bezeichneten Wildgarten gelegt. Leider sind die reichen Ausmalungen des Celler Kunstmalers Wilhelm Kricheldorf nicht mehr restaurierbar.

Neben acht hochformatigen Seitenfenstern, in denen jeweils biblische Szenen aus dem Leben Jesu dargestellt werden, sowie den ebenfalls seitlich angebrachten Außenrosetten ist es schon beim Betreten der Kirche der Altarraum, der die Blicke auf sich zieht. Drei große kleeblattförmige Rosettenbuntglasfenster erstrahlen dort je nach Sonneneinstrahlung in hellstem Licht. Die Lichteffekte werden noch gesteigert, wenn die bunten Farben der Glasmalerei „symbolkräftig wie kostbare Edelsteine leuchten und funkeln“, beschreibt Cord Dageförde aus der Blumlage, der sich intensiv mit der Geschichte der Kirche und ihrer Fenster befasst hat. Optimal sei die Wirkung am Vormittag zur Zeit der Gottesdienste, wenn die Sonne im Osten der Kirche stehe und in die Buntglasrosetten scheine, erzählt er.

In den Überlieferungen zur Geschichte der Kirche werden die Fenster nicht erwähnt. Es gibt keine Expertise und auch keinen Hinweis auf den Künstler oder die Werkstatt. Doch aus Berichten der Celleschen Zeitung über die Grundsteinlegung am 9. Juni 1901, zur Einweihung der Kirche am 5. November 1902 und zur ergänzenden Weihe am 21. Februar 1904 sowie aus Aufzeichnungen etwa im Kirchenbuch ergeben sich einige Mosaiksteine, die sich zusammenfügen lassen, sagt Dageförde.

Nach dem Willen der Planer und Erbauer der Kirche eröffnen die Rosettenfenster „Blicke in eine lichtvolle, göttliche, ewige, jenseitige paradiesische himmlische Welt“. Die seitlichen Rosetten zeigen im engen Mittelkreis je einen blau gekleideten Engel: Im rechten Fenster ist er umgeben von auf Rosen gebetteten jungen Soldaten im Paradies, im linken wiederum umringt von Veteranen inmitten reichhaltig gefüllter Ess- und Trinkgeschirre im Schlaraffenland. Die mittlere Rosette schließlich zeigt den Blick ins Jenseits: Der „oberste himmlische Feldherr und Heerführer“ mit der Bibel in der linken Hand, mit der rechten Hand winkend, umgeben von Feldherren als Thronwächtern sowie – als Bewacher der inneren paradiesischen Welt – als Cherubim bekannte mächtige himmlische Erzengel. Bei all dieser Symbolik darf man allerdings nicht vergessen, dass diese Kirche seinerzeit für Soldaten errichtet wurde, die hier auch ihren Fahneneid und ihren Treueschwur abgelegt haben.

Von Rolf-Dieter Diehl