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Celle Stadt Drohender Busfahrer-Streik: CeBus sucht Kontakt zu Verdi
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Drohender Busfahrer-Streik: CeBus sucht Kontakt zu Verdi
18:19 09.03.2015
CeBus-Beschäftigte drohen in der kommenden Woche mit Streik,. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Wir haben am Wochenende vergeblich versucht, Verdi zu erreichen. Wir wissen nicht, was man dort genau vorhat.“ Mit diesen Worten reagierte CeBus-Geschäftsführer Jan Behrendt am Sonntag auf die Ankündigung der Gewerkschaft vom Freitag, wonach die Busfahrer in dieser Woche mehrfach ganztägig streiken würden. Man habe von dieser Streikankündigung erst durch eine CZ-Anfrage am Freitagabend erfahren.

Auf die Frage, ob es einen Notdienst zum Streik geben wird, sagte Behrendt: „Wir haben wenig Möglichkeiten, wenn unsere Mitarbeiter im Ausstand sind.“ Wenn möglich, werde man versuchen, den Schülerverkehr und Hauptstrecken zu bedienen. Noch aber verwende man alle Kraft darauf, den drohenden Streik abzuwenden.

17.264 Personen hatte der Beitrag am Freitagabend auf der CZ-Facebookseite erreicht. 116 Internetnutzer merkten an, dass ihnen die Streikankündigung nicht gefällt. Viele ließen in Kommentaren „Dampf ab“ und fragten sich, ob ein möglicher Streik auch den Schülerverkehr treffen werde. Verdi-Landesfachgruppenleiter Verkehr, Hermann Hane, hatte angekündigt, den Zeitpunkt des Streiks jeweils einen Tag vorher bekannt zu geben. Auch die CeBus versicherte, sie werde alles tun, um möglichst früh und umfassend über Streikmaßnahmen in den Medien und im Internet zu informieren.

Der angekündigte Streik der CeBus-Fahrer traf bei Facebook auf geteiltes Echo, besonders mit Blick auf den Schülerverkehr: „Euer Ernst? Was ist mit den Leuten, die darauf angewiesen sind?“, hieß es da. Einige Internetnutzer äußerten aber auch Verständnis für die Forderungen der Busfahrer nach Lohnerhöhung: „Vielleicht sollten die Leute, die meckern, mal in Betracht ziehen, dass Kinder viel Wert sind, CeBus den Fahrern aber weniger zahlt, als wenn sie Holz transportieren würden.“ Andere sehen einem möglichen Streik gelassen entgegen: „Merkt doch eh niemand, ob die Busse in Celle fahren oder nicht.“

Am Freitag hatten sich Vertreter von CeBus und Verdi in einer dritten Tarifrunde nicht auf einen Haustarifvertrag einigen können. Verdi fordert pauschal einen Euro mehr pro Stunde.

Die Verdi-Behauptung, dass sich das CeBus-Fahrpersonal mit einem Stundenlohn von derzeit maximal 10,33 Euro im Vergleich mit Beschäftigten anderer Verkehrsunternehmen in Niedersachsen am unteren Ende der Einkommensskala befinde, sei "schlichtweg falsch", hatte CeBus-Geschäftsführer Stefan Koschick am Samstag gesagt. So zahle zum Beispiel im Nachbarkreis ein Unternehmen des Bundes seinen neu eingestellten Fahrern eine Vergütung von 9,37 Euro. „Der Grundlohn des Berufskraftfahrers liegt nach dem Tarifvertrag des Arbeitgeberverbandes GVN (Gesamtverband Privatgewerbe Niedersachsen) bei 8,57 Euro. Die freiwilligen Empfehlungen des Verbandes liegen bei 10 Euro“, so Benjamin Sokolovic, Hauptgeschäftsführer des GVN.

Die CeBus-Geschäftsführung bedauere, so Koschick, dass es ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen um neue Kunden werbe, zu Beeinträchtigungen kommen wird. „Mit einem Streik riskieren wir nicht nur unseren Neustart am 1. April, sondern verlieren auch das Vertrauen der Celler Bürger. Gerade jetzt, wo wir mit einem verbesserten Angebot, neuen Bussen und besseren Taktungen an den Start gehen wollen“, so Koschick. „Die Geschäftsführung ist bereit, mit dem Angebot weit über das wirtschaftlich Vernünftige hinaus zu gehen, um den Betriebsstart nicht zu gefährden.“

Von Dagny Rößler