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Celle Stadt Duo spielt Musik zu barockem italienischen Volkstheater
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Duo spielt Musik zu barockem italienischen Volkstheater
14:04 26.10.2017
Alisa Weilerstein und Inon Barnatan treten auf Einladung des Kammermusikrings Celle im Schlosstheater auf. Quelle: Decca / Paul Stuart
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Während man bei Picasso immer von den verschieden Farbenphasen redet, der roten oder der blauen, so hat man bei Strawinsky außer für eine Zeit nie eine griffige Formulierung für die verschiedenen klanglichen Erscheinungsformen seiner Musik gefunden. Nur der Begriff der „neoklassizistischen Periode“ hat sich eingebürgert. Genau um ein solches Werk handelt es sich, wenn die noch junge, aber bereits hoch gehandelte amerikanische Cellistin Alisa Weilerstein in Celle die „Suite Italienne“ von Strawinsky spielen wird.

Genau genommen ist dieses Stück nichts anderes als eine Suite aus der Ballettmusik „Pulcinella“, in der Strawinsky Musik über Kompositionen des Barockkomponisten Giovanni Baptista Pergolesi geschrieben hat. Und diese „Pulcinella“-Musik gehört zu einer Handlung der Commedia dell’Arte, also des barocken Volkstheaters in Italien. Das Publikum wird also Musik zu barockem italienischem Volkstheater im höfischen Raum des Celler Schlosstheaters erleben können. Das wird passen. Und wenn Weilerstein den Sinn für den Humor und Esprit dieser Musik mitbringen sollte, so wird schon dieser Programmpunkt den Besuch des Konzerts wert sein. Sie klingt weitgehend wie eine augenzwinkernde Hommage an barocke musikalische Fabulierlust. Dass es dazu noch zwei der großen Sonaten des Cello-Repertoires zu erleben gibt, das dürfte den Abend zu einer Abfolge von Höhepunkten machen. Die Cello-Sonate in D-Dur von Ludwig von Beethoven gilt genauso als Meilenstein der Cello-Literatur wie die späte F-Dur-Sonate von Johannes Brahms.

Für Freunde neuerer Töne wird es i auch etwas zu entdecken geben, denn Weilerstein wird ein gerade von ihr in New York uraufgeführtes Stück des Amerikaners Steven Mackey auch in Celle präsentieren: „Through your Fingers“, „Durch deine Finger“ nennt es sich. Sie versteht sich als der Versuch eines Dialogs zwischen „leicht zu fassender Musik und einer Musik, die einem durch die Finger zu gleiten scheint.“ So auf jeden Fall schreibt es der Verlag. Auf jeden Fall ist dieses Stück vierteilig mit drei „Beinahe-Pausen“ die zugleich musikalische Knoten darstellen sollen.

Alisa Weiterstein spielt in Celle zusammen mit ihrem ständigen Begleiter am Klavier, dem Israeli Inon Barnatan. Sie selbst stammt übrigens aus einer äußerst musikalischen Familie. Ihr Vater war Primarius des angesehenen Cleveland-Quartetts. Ihr Bruder war vor kurzen in Bremen als staunenswert guter Dirigent zu erleben.

Von Reinald Hanke