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Celle Stadt EU-Irrsinn: Aus für Rundflüge
Celle Aus der Stadt Celle Stadt EU-Irrsinn: Aus für Rundflüge
16:42 12.04.2013
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Fahrradtour und Rundflüge über Celle – so sah ursprünglich das Programm der Groß Hehlener CDU für ihren Ausflug am 26. Mai aus. Doch aus dem Blick auf die Residenzstadt aus luftiger Höhe wird nichts. Der EU-Regulierungswahn und seine strenge Interpretation durch das Bundesverkehrsministerium haben nicht nur der CDU einen Strich durch die Rechnung gemacht, sondern allen Flugsportvereinen in der Republik gehörig die Laune verdorben: Bezahlte Rundflüge dürfen demnach nur noch von Berufspiloten unternommen werden.

Die EU hat sich neue Vorschriften zur Lizensierung von Luftfahrtpersonal ausgedacht. Seit dem 8. April gelten sie auch in Deutschland. In Kraft gesetzt durch das Bundesverkehrsministerium. Betroffen sind vor allem Motorflieger. Für sie gilt: Gastflüge, bei denen der Passagier an den Kosten beteiligt wird, sind nicht länger gestattet, es sei denn, ein Berufspilot sitzt am Steuer.

„Das ist für uns aktuell ein ganz großes Problem“, sagte Detlef Knobloch, Vorsitzender der Flugsportvereinigung Celle, die auf dem Flugplatz Arloh ihre Heimat hat. 31 Maschinen stehen dort. Sie werden demnächst nur noch ohne Gäste starten.

Knobloch spricht von einer sehr „kuriosen“ Verordnung: „Hier geht es überhaupt nicht darum, dass die Qualifikation der Piloten in Frage gestellt wird, sondern nur um die Bezahlung. Wenn wir die Gäste nicht an den Kosten beteiligen würden, dürften sie mitfliegen“, erläuterte der 69-Jährige, der seit 1981 den Pilotenschein hat. Dabei verdienen die Piloten gar nichts an den Rundflügen, der Beitrag der Fluggäste soll lediglich die Kosten decken. Ohne diese Bezahlung würden die Rundflüge zu einer kostspieligen Angelegenheit.

In Fachmagazinen wie dem „aerokurier“ sieht man die Schuld an der aktuellen Misere in einer „sehr restriktiven“ Auslegung durch das Bundesverkehrsministerium. Dort werde kein Unterschied gemacht zwischen der Vergütung für den Piloten und einer Beteiligung des Passagiers etwa an den Treibstoffkosten. Wenn bezahlt werde, gelte der Flug als gewerblich und dürfe nur noch von Berufspiloten ausgeführt werden.

Die Folgen sind für die zahlreichen Flugsportvereine in Deutschland fatal. Rundflugtage wie im vergangenen Jahr auf dem Arloh dürften der Vergangenheit angehören. „Die Rundflugtage gehören zu unserer Öffentlichkeitsarbeit. Im vergangenen Jahr hatten wir 8000 Besucher, haben 400 Rundflüge absolviert. Die Veranstaltung war ein sehr großer Erfolg“, erinnerte sich Knobloch.

Auch kämen am Wochenende immer wieder Gäste auf den Flugplatz, die spontan zu einem Flug über Celle abheben wollten. Damit ist es auch erst einmal vorbei. Für die nächsten drei Monate hat die Flugsportvereinigung einen Stopp der Gästeflüge verhängt. Jetzt setzt man auf Gespräche mit dem Verkehrsministerium. Von dort war übrigens gestern keine Antwort mehr zu der Problematik zu erhalten.