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Celle Stadt Ehemaliger Celler wird vom Problemkind zum Muster-Azubi
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ehemaliger Celler wird vom Problemkind zum Muster-Azubi
14:53 08.02.2014
Von Christopher Menge
Einen Fassadenausschnitt mit Dämmung musste Tim Sander in sieben Stunden bei den Schweizer Meisterschaften der Fassadenbauer konstruieren. Er gewann die Bronze-Medaille und erhielt einen Bildungsgutschein über 500 Franken. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Die meisten Lehrer hatten ihn abgeschrieben, auf seinem Abschluss-Zeugnis der Hauptschule Blumlage im Jahr 2008 hatte Tim Sander nur Vieren – doch dann wanderte die Bockelskamper Familie in die Schweiz aus und Sander startete durch. Jetzt erhielt der inzwischen 21-Jährige sogar eine ganz besondere Auszeichnung. Er gewann bei den Schweizer Meisterschaften die Bronzemedaille bei den Fassadenbauern.

Zuvor hatte er bereits die Ausbildung zum Dachdecker im Jahr 2012 erfolgreich abgeschlossen, die Ausbildung zum Fassadenbauer hängte er ran. „Er hatte besonders gute Noten in der Ausbildungszeit“, erzählt Mutter Claudia Sander stolz. „Ich habe immer zu ihm gehalten.“

Auch wenn das oft schwer war. Einmal wöchentlich musste Sander in der Hauptschule Blumlage und der Orientierungsstufe Eicklingen zum Rapport. „Ich habe oft geschwänzt, aber mir war immer klar, dass ich eine Ausbildung mache“, so Tim Sander, „Dachdecker zu werden, war immer mein absoluter Traum.“ Wenn er dieses sagt, beginnt er zu schmunzeln.

Dass er diesen Traum verwirklichen sollte, das hielt aber keiner für möglich – außer Tims Klassenlehrer in der Orientierungsstufe Eicklingen. „Ich habe immer an den Jungen geglaubt“, sagt Rainer Bischoff, der inzwischen pensioniert ist. „Tims Mutter hat meine Ratschläge immer dankend angenommen. Ich freue mich, dass ich meinen Teil beitragen konnte.“

Der Anfang in der Schweiz war aber nicht leicht. „Tim wollte oft zurück nach Deutschland“, erinnert sich Mutter Claudia, „die Kollegen haben ihn wegen der Sprache aufgezogen.“ Doch als Tim schließlich wusste, dass Benzin in der Schweiz Most heißt, lief es immer besser. Und er hat weitere Ziele. Mit dem Bildungsgutschein über 500 Schweizer Franken, den er bei den Meisterschaften gewonnen hat, will er sich im Herbst zum Teamleiter ausbilden lassen. „Danach möchte ich Objektleiter und Polier werden“, sagt Sander, der irgendwann mal eine eigene Firma leiten möchte.

Ob in der Schweiz oder in Deutschland steht noch nicht fest. „Wir fühlen uns in der Schweiz sehr wohl“, betont Claudia Sander: „Die Deutschen, die in der Schweiz nicht zurecht kommen, passen sich einfach nicht an.“ Oder nutzen ihre Chance nicht.