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Celle Stadt Ehrenmal in Celle geschändet
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ehrenmal in Celle geschändet
14:09 14.11.2010
Von Oliver Gatz
Anschlag auf Gedenkveranstaltung: Die Feuerwehr entfernt in den Morgenstunden die wasserlösliche Farbe von dem Ehrenmal am Neuen Rathaus in Celle. Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Fassungslos und erschüttert haben die Spitzen aus Politik und Verwaltung auf die Schändung des Ehrenmals am Neuen Rathaus in Celle in der Nacht zu Sonntag reagiert. „Ich bin entsetzt“, kommentierte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) den Vorfall. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Die Attacke zeige, dass sich die Verantwortlichen nicht mit dem Inhalt des Volkstrauertages auseinandergesetzt haben. „Gedenken ist Friedenserziehung“, sagte Mende, der Stadtverbandsvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist.

Bestürzt reagierte auch Landrat Klaus Wiswe (CDU), Kreisvorsitzender des Volksbundes: „Da ist man fassungslos.“ Der Volkstrauertag sei kein Anlass für politische Auseinandersetzungen und extremistische Meinungsäußerungen.

Als „völlig unverständlich“ verurteilte CDU-Fraktionschef Heiko Gevers die Attacke. Der Volkstrauertag erinnere an die Gräueltaten der Weltkriege und sei eine deutliche Aussage gegen den Nationalsozialismus. Das hätten die Verantwortlichen nicht verstanden. SPD-Fraktionschef Jens Rejmann erklärte: „Die Aktion ist feige und beleidigt vor allem Menschen, die im Nationalsozialismus Widerstand geleistet haben.“ Die im Bekennerschreiben angeführten Gründe seien „irregeleitet“ und „heuchlerisch“.

Wie die Polizei mitteilte, hatte eine Passantin am Volkstrauertag gegen 7.46 Uhr die Schmiererei am Ehrenmal entdeckt. Wenig später entfernte die Feuerwehr die wasserlösliche rosa Farbe. Am Ehrenmal hinterließen die unbekannten Täter ein Bekennerschreiben, das auf einer Schreibmaschine verfasst wurde. Urheber ist eine Organisation, die sich „Deutsche Opfermythen Schottern“ nennt. In dem Schreiben ist vom „nationalen Rumgeheule“ am Volkstrauertag und von „Geschichtsrevisionismus“ die Rede. Die Farbattacke sei gegen die Gedenkfeier der Stadt und die „Inszenierung Deutschlands als geläuterte Nation und in Erinnerung an sechs Millionen tote Juden und alle anderen Opfer deutscher Zustände“ gerichtet.

In der Umgebung des Rathauses sollen zudem Fünf-Liter-Bierfässer gefunden worden sein. Außerdem wurden die Fahnen vor dem Gebäude der Celler Verwaltung gestohlen. Aufgrund des Vorfalls waren bei der Gedenkfeier Polizisten anwesend. Ähnliche Vorfälle im Landkreis waren den Beamten nicht bekannt.