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Celle Stadt "Eigenes Sprachmuster überwinden"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Eigenes Sprachmuster überwinden"
17:58 19.09.2018
Austragungsort der vierten Demokratiekonferenz war die CD-Kaserne. Bei der "Fishbowl"-Talkrunde saßen sechs Experten in der Mitte und diskutierten über Gewalt in der Sprache. Zwei freie Plätze in der Runde ermöglichten es dem Publikum, sich jederzeit einzubringen.  Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Gewalt in der Sprache: Wo findet man sie? Gibt es das überhaupt? Gegen wen richtet sich die Gewalt und was soll sie bewirken? Die vierte Demokratiekonferenz im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben" beschäftigte sich mit genau diesem Thema.

Die These des Kriminologen Nils Schuhmacher von der Uni Hamburg lautet: "Gewalt in der Sprache ist ein weitverbreitetes Phänomen und fast schon als 'normal' zu betrachten." Besonders unter Kindern und Jugendlichen gehöre Gewaltsprache zum Alltag. "Kinder und Jugendliche testen ihre Grenzen aus, wollen sich von den anderen abheben und suchen gleichzeitig ihre Position." Dieses Phänomen kennt auch Silvia Seibel vom Kinderschutzbund Celle, die allerdings relativiert: "Wann, wenn nicht in der Jugend soll man sich ausprobieren oder gar über die Stränge schlagen?" Für sie gehört dieses Verhalten auch zum Erwachsenwerden dazu, was aber nicht bedeute, dass sie es gutheißen könne.

Kinder der Grundschule Heese-Süd zeigten bei der Konferenz mit einem „Körpertheater“ unter der Leitung von Katharina Witerzens, wie Menschen auch nonverbal miteinander kommunizieren.

Ebenfalls aktiv ging es bei der "Fishbowl"-Talkrunde zu. Das Prinzip ist einfach erklärt: Experten sitzen in der Mitte und diskutieren über das Thema. Zwei freie Plätze in der Runde ermöglichen es dem Publikum, jederzeit mitzudiskutieren. Im „Fischglas" saßen an diesem Abend sechs Personen, die aus Erfahrung sprechen können, und diskutierten etwa eine Stunde über das Thema. Aus dem Publikum setzte sich unter anderem Till Sauerbrey dazu, dessen Vorschlag gegen Gewalt in der Sprache mit einem Augenzwinkern versehen war: „Meine Töchter und ich hatten eine Strichliste für Schimpfwörter. Für jeden Strich mussten wir ein Liegestütz machen. Ich sogar zwei.“

Das Fazit der Experten fiel durchweg positiv aus. Jeder nahm für seine tägliche Arbeit Anregungen mit. So wünscht sich Beratungslehrerin Annette Klein ein größeres Bewusstsein für die Sprache in allen Bereichen. "Die Haltung aller ist ein wichtiges Element", findet Doris Adlung von der Polizei und fügt hinzu: "So wie meine Haltung ist, kann ich meinen Beruf ausüben. Wenn die Grundhaltung freundlich ist, kann Gewalt keinen Weg in die Sprache finden."

Für Jugendpflegerin Julia Frenking steht fest: "Wir müssen jeder üben, wie wir uns selbst ausdrücken und als Vorbild fungieren." In dieser Pflicht sieht sich auch CZ-Verlegerin Friederike Pfingsten, der als Medienvertreterin während der Diskussion viele Fragen aus dem Publikum gestellt wurden: "All die Präventionsprojekte nützen nichts, wenn wir nicht bei uns selbst anfangen. Es ist unbequem, unsere eigenen Sprachmuster zu überwinden. Aber dort muss es beginnen."

Nils Schuhmacher wünscht sich mehr Sensibilität für Sprache und rief gleichzeitig zu einem gewissen Verständnis für das Gegenüber auf: "Wir müssen in der jeweiligen Situation überprüfen, welche Funktion Sprache in einem Moment gerade hat. Was will das Gegenüber mit seiner Sprachwahl erreichen?"

Kristine Bianga von der Jugendgerichtshilfe fasste zusammen: "Sprache hat viel mit Selbstachtung zu tun. Personen, die Probleme mit sich haben, verfallen in ein gewisses Sprachmuster, um auf sich aufmerksam zu machen."

Projektaufruf für 2019

Gleichzeitig startet mit der vierten Demokratiekonferenz der Aufruf der Stadt Celle zur Antragsstellung für das Jahr 2019.

Ab Mittwoch, 19. September, bis einschließlich Montag, 12. November, können Anträge für lokale und gesellschaftspolitische Projekte eingereicht werden, die mit bis zu maximal 3000 Euro gefördert werden, vorbehaltlich der Bewilligung durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Einen Antrag stellen können Jugendverbände, freie Träger der Jugendhilfe, Migrantenorganisationen, christliche und andere religiöse Gemeinschaften, Sportvereine, Fördervereine von Schulen, Kindertagesstätten, Bildungs- und Qualifizierungsträger, gemeinnützige GmbH, Stiftungen, kulturelle Einrichtungen und sonstige gemeinnützige Vereine. Diese können Einzelprojekte beantragen, die jeweils mit bis zu 3000 Euro gefördert werden. Die Projektideen müssen immer einen Bezug zu Demokratie haben.

Für Beratung und Information steht die Externe Koordinierungs- und Fachstelle in der CD-Kaserne, Gerd Janke und Sinja Naujok, unter Telefon (05141) 9772917 zur Verfügung. Die Entscheidung über die Auswahl der Projekte trifft der lokale Begleitausschuss im Dezember 2018.

Von Birgit Stephani

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