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Celle Stadt Ein Abend, der immer besser wird
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein Abend, der immer besser wird
21:45 02.12.2018
Celle

Als surreales Ohnsorg-Theater, so könnte man vielleicht die Machart von Ödön von Horvaths Stück im Schlosstheater bezeichnen. Der insgesamt sehr wohl erlebenswerte Abend begann mit einem arg langatmigen ersten Teil, der zeitlich zwei Drittel der Aufführung ausmachte. Erst danach nahm die Aufführung eine kaum noch erwartete positive Wendung.

Dauergreller erster Teil

Was als eine Aneinanderreihung von Szenen mit comicartigen oder karikaturistischen Figuren begonnen hatte, das wurde nach der Pause zu einer bitteren Tragikomödie, deren eisiger Zynismus mit einer enormen Fallhöhe seine das Lachen erstickende Wirkung tat. Aus den im ersten Teil vollkommen ins Dauergrelle oder Möchtegernwitzige getriebenen Szenen, die nur ansatzweise die Handlung und die Tragik der Figuren vermittelten, erwuchs im zweiten Teil eine so gedämpft grelle wie schwarzhumorige Komödie, die die Abgründe der Figurencharaktere bis in die letzten Seelenecken aufriss. Nun endlich konnte Horvaths Text seine volle Wirkung entfalten.

Porträt mit starken Momenten

Vor allem die Figur der Christine wurde jetzt tiefenscharf ausgeleuchtet. Da gelang Marie Sophie Schmidt ein Porträt mit ganz starken Momenten, in dem außer in den nicht immer gelungenen Lachmomenten eine enorme Präsenz und geistige Kraft spürbar war. Schmidt spielte diese Figur mit einer klaren Haltung, die dieser Rolle sehr guttat und die dem Stück im zweiten Teil des Abends eine Glaubwürdigkeit vermittelte, die vorher fehlte.

Ambitionierte Regie wenig hilfreich für Schauspieler

Im Stück Horvaths ist Christine die Einzige, die nicht zu dem Gruselkabinett skurriler und abnormer Alltagsfiguren gehört, die nie sagen, was sie meinen, und die immer eine schöne Fassade darbieten, um ihre innere Leere zu kaschieren. Drum sind es auch die stillen, die sprachlosen Momente, in denen die stärksten Eindrücke des Abends entstehen. Wenn Gintas Jocias als Hoteldirektor Strasser am Klavier Klänge von großer Wahrhaftigkeit spielt, dann sagt das mehr über die tatsächliche Gefühlslage der Figuren aus als fast alles, was gesprochen wird. Das waren starke Momente. Und wenn die durchgeknallte Freifrau von Stetten, gespielt von Tanja Kübler, sich in exzessiver Selbstdarstellungssucht profilieren will, dann wirkt das zwar im ersten Moment aufgesetzt, zeigt aber wunderbar den inneren Zerfall dieser Gestalt. Thomas Wenzel als Getränkevertreter Müller und Jürgen Kaczmarek als Bruder der Freifrau von Stetten rutschten in ihrer Überzeichnung hingegen zu stark ins Karikaturistische. Da erwies sich die in ihrem Umgang mit der Vorlage ambitionierte Regie von Lydia Bunk als wenig hilfreich für die Schauspieler, denn diese haben in anderen Produktionen schon viel überzeugender gespielt.

Mal differenziert, mal fragwürdig

Bleibt noch Pascal Andrea Vogler als Max, der rechten Hand des Hoteliers Strasser: Dieser zeigte mal außerordentlich stark differenzierte Momente, dann aber auch eine Darstellungskunst, bei der man sich wundern musste, warum Regisseurin Bunk keine besseren szenischen Lösungen gefunden hatte.

Insgesamt vermittelte die Regie den Eindruck einer gewissen Unentschlossenheit im konkreten Umgang mit der Vorlage. Auf der einen Seite folgte Bunk im gekonnt schäbigen Bühnenbild Martin Käsers den im Theatertext und seinen sonstigen Äußerungen klar zum Ausdruck gebrachten Intentionen Horvaths, auf der anderen Seite veralberte Bunk eine Reihe von Szenen. Der dünne Beifall zur Pause war angemessen, der weitaus stärkere zum Schluss auch. Ein Abend, der immer besser wird.

Weitere Vorstellungen jeweils um
20 Uhr: am heutigen Montag, 7., 8., 11., 13., 16., 18. und 19. Dezember,
4., 5., 10., 16., 17., 19. und 20. Januar. Außerdem 13. Januar um 15 Uhr.

Von Reinald Hanke

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