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Celle Stadt „Ein Golf ist doch kein Panzer“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Ein Golf ist doch kein Panzer“
19:02 09.06.2011
Fleischerei Zimmermann Quelle: Ralf Taschke
Celle Stadt

Ein unglückliches Einparkmanöver vom vergangenen Sommer kostete jetzt eine 42-jährige Frührentnerin aus Celle 1090 Euro. Was war geschehen? An einem Sonntag wollte die gehbehinderte Frau ihr Auto in einer Haltebucht an der Stechbahn abstellen, um in die gegenüberliegende Stadtkirche zu gehen. Beim Einparken rutschte ihr Fuß vom Bremspedal und der Wagen landete mit der Front im Fachwerk der Fleischerei Zimmermann. Entstandener Sachschaden: 5300 Euro.

Der „Ausrutscher“ hatte zur Folge, dass der Frau der Führerschein entzogen und eine Anzeige wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort zur Folge. Denn anstatt die Polizei zu informieren, hatte sich die gelernte Konditormeisterin kurz im benachbarten Café gemeldet und war dann hinüber zur Kirche geeilt, um noch pünktlich zum Gottesdienst zu kommen. Sie habe keine Zeit gehabt und auch keine Polizei gewollt, so die Angeschuldigte vor der Strafrichterin am Celler Amtsgericht; vielmehr habe sie am Folgetag den am Haus entstandenen Schaden selbst polizeilich melden und regulieren wollen.

Allerdings musste sie einräumen, ihn anhand der Spuren am Fahrzeug für weitaus geringer eingeschätzt zu haben. „Ein Golf ist doch kein Panzer“, lautete ihre Erklärung für die Fehleinschätzung.

Genauer inspizierten hingegen Polizisten die Schäden am Haus. Ein Augenzeuge hatte die Beamten verständigt, woraufhin diese die Frau wieder aus der Kirche holten. Nach deren Angaben waren sogar auch innenseitig Fliesen, Fugen und Ziegel des Hauses beschädigt worden, sowie stellenweise die Holzbalken des unter Denkmalschutz stehenden Fachwerks. Die Unfallbeteiligte hätte am Unfallort bleiben müssen, lautete die Stellungnahme der vorsitzenden Amtsrichterin.

Da aber die Angeklagte zumindest ihr Fahrzeug in der Unfall-Parkbucht belassen und sich im Café gemeldet hatte, konnte ihr möglicher „guter Wille“ nicht gänzlich in Abrede gestellt werden. Zudem hat sie den Schaden inzwischen voll reguliert. Der Führerschein wurde ihr noch im Verhandlungssaal wieder ausgehändigt. Gegen Verzichtserklärung auf etwaige Entschädigungsansprüche und eine Geldauflage von 1090 Euro konnte das Verfahren gegen die bislang rechtlich Unbescholtene vorläufig eingestellt werden.

Von Anke Prause