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Celle Stadt Ein Hauch von "The Cure" in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein Hauch von "The Cure" in Celle
19:32 15.03.2017
Von Gunther Meinrenken
Top-Act in Celle: Die Berliner Band „Klez.e“ spielt am Sonntag auf der „MS Loretta“im Hafen. Quelle: cz
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Das letzte Album von „Klez.e“ liegt acht Jahre zurück. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie wieder eine Platte aufgenommen haben?

Die acht Jahre Pause haben nicht bedeutet, dass wir nichts mehr zusammen gemacht haben. Unsere ersten drei Alben kamen relativ dicht hintereinander. Ich glaube, wir hatten den Punkt erreicht, an dem wir einmal durchatmen mussten. Abgesehen davon waren wir ja weiter aktiv, haben Projekte etwa im Maxim-Gorki-Theater in Berlin gemacht oder im Zimmertheater in Tübingen. Wir haben uns immer wieder getroffen und auch an Stücken gearbeitet, die sich eben jetzt erst zu einem Album gefunden haben. Wir kommen auch nicht jeder mit fertigen Stücken ins Studio, die die anderen dann einfach auswendig lernen, sondern es fügt sich erst dann zusammen.

Der Titel Ihres Albums „Desintegration“ ist sehr stark angelehnt an das Album „Disintegration“ von The Cure von 1989, der Sound klingt sehr ähnlich und Ihre Haare sehen aus, als hätten Sie denselben Friseur wie Sänger Robert Smith. Woher kommt diese Nähe zu The Cure?

Es hört sich jetzt komisch an, aber wir haben vorher nicht geplant, dass das Album so klingt, wie es jetzt klingt. Als es losging mit der Flüchtlingskrise 2015, habe ich das in recht düsteren Texten verarbeitet, die wir mit einem düsteren Sound, mit vielen Modulationselementen unterlegt haben, die so klangen wie die Wave-Sound-Ästhetik der 80er Jahre. Dass man das Ergebnis mit The Cure vergleicht, stört mich nicht, ganz im Gegenteil, es zeigt, dass man verstanden hat, was wir machen wollten.

Sie haben einen sehr persönlichen Zugang zu The Cure.

Ich bin DDR-Bürger. Nach der Wiedervereinigung fühlte ich mich selbst wie ein Flüchtling. „Disintegration“ war die erste Platte von The Cure, die ich in den Händen gehalten habe. Sie hat mir gezeigt, dass hinter all den Werten und dem Glamour des Westens auch vieles steckt, das man mit Vorsicht genießen muss. Mit dieser Musik konnte ich mich zurückziehen, mir meine eigene Glocke überziehen. Die heutige Zeit ist ähnlich. Dinge brechen auf, wie der Kalte Krieg, von denen wir damals eigentlich dachten, dass wir sie hinter uns gelassen haben.

Ihr neues Album wird sehr positiv aufgenommen, Ihre Tour führt Sie vor allem durch die Großstädte der Republik, in der „Kantine“ des Berliner Berghains sind Sie zweimal ausverkauft. Was treibt Sie nach Celle auf die „MS Loretta“?

Ich glaube, das Konzert in Celle wird super. Wir haben in Bremen schon einmal auf einem Schiff gespielt und das war großartig. Es klingt ganz anders, viel direkter. Grundsätzlich spielen wir gerne auf kleinen Bühnen. Ich finde das intimer.