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Celle Stadt Ein Konzert zwischen Noblesse und Latino-Feuer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein Konzert zwischen Noblesse und Latino-Feuer
20:26 25.05.2014
Das Trio Uhde mit (von links) Tigran Harutyunyan (Violine), Michael Uhde (Klavier) und Sanja Uhde (Violoncello) bei seinem Konzert im Sophien-Stift. Quelle: Alex Sorokin
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Kompositionen etwa von Camille Saint-Saëns und César Franck wurden mit Sonatensätzen des aus einer Schweizer Auswandererfamilie stammenden Brasilianers Henrique Oswald und Heitor Villa-Lobos’ zwischen Bach und brasilianischer Folklore changierenden „Aria“ zu einer Fülle klangfarblicher Delikatessen gebündelt. Michael Uhde (Klavier), Sanja Uhde (Violoncello) und Tigran Harutyunyan (Violine) wussten dabei die anmutigen Kantilenen ebenso wie die expressiven Phrasen mit energischem Drive und musikantischer Verve zu einem begeisternden Klangzauber zu vereinen, geradeso, wie wenn sich federleichte Schneeflocken zu einer mitreißenden Lawine verbinden.

Ungemein beweglich im Klang, lebendig artikuliert, virtuos und anrührend zugleich entfaltete das Trio neben dem traditionellen klassisch-konzertanten auch „die eigene kammermusikalische Sprache“ eines Landes, das tonschöpferisch „weit mehr als nur Samba“ zu bieten habe, wie der hintergründig moderierende Michael Uhde erläuterte. Er sei besonders angetan von dem „eigenwilligen Kontrast zur abendländischen Musik“. Und diesen Kontrast gestaltete er gemeinsam mit seinen Trio-Partnern zu einem faszinierenden Hörerlebnis für das gebannt mitgehende Publikum: Zwischen Pianissimo-Pizzicati und warmen Kantilenen des einfühlsam singenden Cellos, den dynamisch aufpeitschenden Stakkati und Dämpfungsmechanismen des Klaviers und den virtuosen Saitensprüngen und Höhenflügen der Violine mit ihren ausdrucksintensivierenden Vibratos präsentierten sie die ganze Bandbreite auszuschöpfender Klangvariationen. Die Musik der sich prächtig ergänzenden Instrumente klang dabei wie aus einem einzigen Guss. Ein Konzert zwischen Noblesse und Latino-Feuer, in dem die Interpreten ohne Ego-Allüren zu einer kammermusikalischen Einheit verschmolzen.

Von Rolf-Dieter Diehl