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Celle Stadt Ein Zauberer auf dem Cello
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein Zauberer auf dem Cello
16:13 15.02.2012
Thomas Beckmann bei seinem Konzert vor dem Altar der Christuskirche. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Seit über 16 Jahren stellt der Düsseldorfer Star-Cellist Thomas Beckmann sein virtuoses Können bei Benefizkonzerten unter dem schlichten Titel „Beckmann spielt Cello“ in den Dienst derr Obdachlosen-Hilfe. Im Rahmen seiner diesjährigen Benefiztournee trat der Meister-Schüler von Pierre Fournier am Dienstag auf Einladung der Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werkes in der Christuskirche Westercelle auf. Und die rund 120 begeisterten Zuhörer sorgten am Ende mit 1376 Euro für einen gutgefüllten Spendenkorb.

Bei Beckmanns ungemein emphatischem Spiel spürte man seine innige Verbundenheit und sein intuitives Verständnis für „Il Mendicante“ (der Bettler), wie er sein wertvolles Guadagnini-Cello nennt. Und ebenso spürte man seine unendliche Liebe zu der Musik, die er darauf spielt. Bei Vivaldis e-Moll-Sonate, Bachs Cello-Suite Nr. 6 sowie Filmmusiken von Charlie Chaplin zeigte er in diesem Konzert einmal mehr, welch begnadeter Zauberer er auf seinem Instrument ist. Nicht hemdsärmelig forsch oder rekordverdächtig rasant, nein, respektvoll und würdevoll und immer auf den großen melodiösen Bogen und aufs verlockend Anmutige bedacht. Spieltechnischen Komplikationen stellte er eine kostbare Empfindsamkeit gegenüber, womit er den Grad des „Erzählerischen“ immer wieder spannungsvoll erhöhte.

Bemerkenswert vielschichtig seine Umsetzung bei Vivaldi: Düster und beklommen ind den langsamen Sätzen, dann wieder tänzerisch, lebensbejahend und verspielt. Ungemein gefühlvoll und mit enormer Ausdruckstiefe führte er das singende und klagende Cello im dritten Satz zu ergreifender Intensität, was den temperamentvoll-energischen Kontrast im Schlusssatz umso wirkungsvoller hervortreten ließ. Ein ebenso schönes Beispiel blutvoller Barockkunst wie ie nachfolgende Bach-Suite. Diese gestaltete Beckmann vor allem in den hochliegenden Partien zum bravourös gemeisterten Trapezakt. Mit intensiver klanglicher Präsenz füllten ihre sechs Sätze den Kirchenraum, etwa in der schnellen, virtuosen Bewegung der Courante, der empfindsamen Eindringlichkeit der Sarabande oder im sprudelnden Temperament der abschließenden Gigue. Und dann Chaplins assoziationsreiche nostalgische Titel wie „Oh! That Cello“, „Limelight“, „Beautiful wunderful eyes“ und „Tango Natascha“, deren melancholische Melodien Beckmann mit einem bis in die letzte Bank tragenden Pianissimo versüßte. Sein Cello brachte die Herzen zum Klingen, seine Stimme das Gewissen. Auch nach 16 Jahren noch unverändert eindringlich.

Von Rolf-Dieter Diehl