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Celle Stadt „Ein faszinierendes Buch“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Ein faszinierendes Buch“
14:48 18.09.2018
Laura Christin Weigt in ihrem Wohnzimmer vor einem ihrer Gemälde. In dem Buch „Celler Geschichte in Geschichten“ ist auch ihr Text „Viktoria“ abgedruckt. Quelle: Peter Bierschwale
Hannover

Anlässlich ihrer Jubiläen hatten die Stadt Celle und die Cellesche Zeitung im Jahr 2017 gemeinsam einen „Celler Schreibwettbewerb“ ausgelobt. Nach dem Hinweis und der Ermutigung durch eine Kollegin beteiligte sich auch die junge Celler Autorin Laura Christin Weigt mit ihrem Text „Viktoria“ erfolgreich an dem Wettbewerb.

Die Veranstalter des Wettbewerbs hatten als thematischen Rahmen „Historischer Kurzroman“ vorgegeben. Weigts Geschichte „Viktoria“ spielt im November 1938 in der Celler Innenstadt: Die Mutter der Siebzehnjährigen will ihre Tochter an einen „Welfen“ verkuppeln, der sei schließlich eine „gute Partie“. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn Viktorias Vater ist der angesehene Bürgermeister von Celle.

Doch bei Viktoria stößt diese Idee auf erheblichen Widerstand, denn sie glaubt, noch viel zu jung zum Heiraten zu sein. Außerdem befürchtet sie, dass ihr Leben dann nur noch aus „Etikette, Tanz und Seide“ bestehen würde. Und schließlich hat sie ihr Herz längst an „August“ verloren.

Weigt gelingt es mit ihrem Text, den Leser intensiv in das städtische Leben Celles des Jahres 1938 eintauchen zu lassen: Die Straßenbahnen fahren noch durch die Innenstadt, und an den Ecken stehen junge Männer mit Nazi-Uniformen herum. Ihr Freund August gesteht ihr an diesem Tag, dass er Jude sei. Doch am Abend überfallen die Nazis bei ihrer antisemitischen „Reichskristallnacht“ jüdische Familien und plündern ihre Läden. Das Leben Viktorias erfährt eine dramatische Wende.

Weigts „Kurzroman“ wurde von den Juroren prämiert und später in das Buch „Celler Geschichte in Geschichten“ aufgenommen.

„Damals war es Friedrich“
erinnert an grossvater

Doch wie kommt eine so junge Frau dazu, eine Geschichte über die Judenverfolgung zu schreiben? Dafür liefert Weigt selbst eine etwas überraschende Erklärung: Ihre Tante habe ihr im Alter von sieben Jahren „ein faszinierendes Buch“ mit dem Titel „Damals war es Friedrich“ vorgelesen. Darin wird die Geschichte von zwei 1925 geborenen Jungen erzählt, die zusammen aufwachsen, Friedrich ist Jude. Es habe sie betreten gemacht, wie es nach der „Machtübernahme“ für Friedrich immer enger geworden sei, erinnert sich Weigt. Friedrich stirbt 1942 bei einem Bombenangriff, weil ihn ein Nazi nicht in den Luftschutzkeller lässt.

Das wiederum habe sie an das Schicksal ihres Großvaters erinnert, denn der habe 1945 den Bombenangriff auf den Celler Bahnhof nur mit viel Glück in einem Keller in der Kirchstraße überlebt, erzählt Weigt.

Und so, glaubt sich die Autorin zu erinnern, habe dieses Buch gleich mehrfach auf sie gewirkt: Es habe sie für Sprache interessiert, aber auch für Geschichte. Und am PC habe sie schon früh gelernt, dass man auch „Bücher schreiben kann“, erzählt sie augenzwinkernd: „Als Fünfjährige habe ich willkürlich auf der Tastatur herumgetippt – und dazu eine Geschichte erzählt.“

Jim Knopf
bekommt Töchter

Schon nach der ersten Klasse habe sie ihr erstes Buch gelesen, und das an einem Tag, betont sie stolz. Später fing sie dann an, sich selber Geschichten auszudenken, oder neue Versionen zu erfinden. So dichtete sie Jim Knopf von der Augsburger Puppenkiste Töchter an.

Aber wie alle anderen jungen Menschen auch, musste sie sich Gedanken über ihre berufliche Zukunft machen, denn vom Schreiben solcher Geschichten kann man nicht leben. Der entscheidende Anstoß kommt von ihrer Mutter, als sie fünfzehn ist: Die empfiehlt ihr, mal ein Praktikum in einem Kindergarten zu machen. „Eigentlich wollte ich zu der Zeit nichts weniger, als Kindergärtnerin zu werden!“, lacht Laura Christin. Doch bei ihrem einwöchigen Praktikum im Pauluskindergarten erlebt sie „eine tolle Atmosphäre“, und die Begegnung mit den kleinen Kindern macht ihr Spaß. Ein Jahr später macht sie dann noch ein Praktikum in der Kita Kapellenberg, dann ist die Berufsentscheidung klar: Sie besucht die Fachschule für Sozialpädagogik in der Bahnhofstraße und wird Erzieherin. Seit 2013 arbeitet sie nun in der Kita Kapellenberg in Hehlentor – wo sie auch wohnt.

Von der Kita führt die Spur später zum öffentlichkeitswirksamen Schreiben: Ihre ältere Kollegin „Elke G.“ weist sie auf den „Schreibwettbewerb“ hin und ermutigt sie, daran teilzunehmen. Weigt ist ihrer mütterlichen Kollegin heute noch dankbar: „Die glaubte an mich!“ Sie erinnert sich an den historischen Kontext von „Friedrich“ und schreibt ihren Text über „Viktoria“.

Mit zwei Fingern Tippen wie ein Weltmeister

„Wenn ich ein Thema habe, ist die Geschichte in meinem Kopf schnell fertig“, erklärt sie: „Dann tippe ich wie ein Weltmeister den Text mit zwei Fingern in mein Laptop! Ich bemühe mich um einen attraktiven Schreibstil und habe auch irgendwie Talent. Aber das kann man nicht erklären.“

Sie hat sich auch schon auf stilistisch und thematisch anderem Gelände bewegt: So trug sie bei einer Lesung in Kunst & Bühne ein metaphernreiches Gedicht vor, das so beginnt:

Ich steh´ hier unter´m Himmelszelt

frag´ mich, ob er mir noch gefällt.

Und doch. Es ist der Meine.

Und ich, ich bin die Seine.

Gegenwärtig hat sie vor, einen Roman über eine Jungs-Gang im hannoverschen Steintor-Viertel der 80er Jahre zu schreiben. Das Thema ist wohl einerseits der Tatsache geschuldet, dass sie ihre ersten drei Lebensjahre in Hannover verbracht hat. Aber anderseits ist es auch ihrem aus Hannover stammenden Vater gewidmet.

So, wie die Charaktere angelegt sind, könnten die Jungs am Anfang einer kriminellen Karriere stehen – oder vielleicht doch die Kurve kriegen. Aber, das ist das Dilemma aller der schreibenden Zunft: Manchmal geht es eben nicht voran. Zehn Seiten hat sie immerhin schon fertig. Irgendwann wird sie sicher wieder daran arbeiten. Solange kann sie sich ihrem zweiten Hobby widmen: dem Malen.

Vielleicht hängt es mit ihrem Beruf und ihrer Kinderliebe zusammen, dass Weigt große Sympathien für die Film- und Romanfigur „Mary Poppins“ empfindet. Sicher sind die für ihre Zeit modernen Erziehungsmethoden dieses Kindermädchens hinreißend, und sich dann auch noch magischer Kräfte bedienen zu können, ist ja vielleicht auch der Traum manches Pädagogen. Doch auch die Mutter der Kinder imponierte Weigt, weil sie sich als Suffragette engagierte: „Ich bin sehr dankbar, dass diese Frauen gekämpft haben!“

Von Peter Bierschwale

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