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Celle Stadt Ein hohes Niveau konzertanten Denkens im Celler Sophien-Stift
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein hohes Niveau konzertanten Denkens im Celler Sophien-Stift
12:20 31.07.2017
Linda-Marie Gulyas und Petra Menzel (von rechts) spielten im Sophien-Stift. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Bei Stücken von Luigi Bassi und Jean Francaix sowie Mozarts Klarinettenkonzert machten sie ein traumhaftes Piano ebenso erlebbar wie das Vergnügen, stürmisch-schmachtende Verdi-Opernarien auf der Klarinette zu „singen“ (Bassis „Rigoletto“-Fantasie). Impulsiv, einfühlsam, emotional und elegant – so könnte man die Interpretationen beschreiben, die durch enorme Sinnlichkeit und künstlerischen Charme zusätzlichen Reiz verströmten. Bei Francaix’ witzig-originellen Variationen sorgten mitunter augenzwinkernde Duette, bei denen der Komponist raffinierte Taktwechsel in die Partitur eingebaut hatte, für Heiterkeit im begeisterten Publikum.

Im Mittelpunkt stand jedoch Mozarts Klarinettenkonzert. Es hatte etwas Magisches, wie Gulyas durch dieses Konzert glitt. Man ahnte, wie viel Virtuosität und schöpferische, urtümliche Musikalität dieser Interpretation zugrunde liegen musste. Denn Gulyas verfiel nicht in den Fehler, nur die virtuose Seite der Musik zu demonstrieren, sondern stellte sich ganz in den Dienst dieser Musik. Die traumwandlerische Intonation des schwelgerischen „Adagio“ etwa sorgte für nahezu andächtige Stille im Publikum. Inniger Dialog, Verschmelzung und Zusammenwirken der beiden Musikerinnen verrieten ein hohes Niveau konzertanten Denkens. Mit Ruhe, Sensibilität und Suggestivkraft modellierte Gulyas eine Musik, die gefangen nahm. Und Menzel begleitete nicht nur vital und anschmiegsam, sondern erwies sich als eine Pianistin, die stets punktgenau zur Stelle war.

Von Rolf-Dieter Diehl