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Celle Stadt Ein offenes Ohr für alle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein offenes Ohr für alle
16:30 26.06.2012
Von Christoph Zimmer
Celle

Zuhören, einfach nur zuhören. Darum geht es, wenn Brigitte Schmied und Dieter Kupsch (Namen von der Redaktion geändert) zur Arbeit gehen. Die beiden Celler sind für die da, die dringend Hilfe brauchen und anonym einen Ansprechpartner für ihre Probleme suchen. Seit einem knappen Monat arbeiten Schmied und Kupsch für mehrere Stunden im Monat ehrenamtlich bei der Soltauer Telefonseelsorge, im nordöstlichen Niedersachsen und damit auch für den Celler Norden zuständig ist. Mehr als 11.000 Anrufe kamen 2011 bei der Telefonseelsorge an, jeder vierte davon kommt aus dem Landkreis. Immer mehr Menschen, die oft besonders verzweifelt sind, keinen Ausweg aus ihren Depressionen wissen, in einer gewaltsamen Beziehung leben oder gar von Selbstmordgedanken sprechen, finden Halt und auch ein bisschen Hoffnung bei der Telefonseelsorge.

Dass er helfe, sei keine Frage der Zeit, sagt Kupsch, „sondern Grundhaltung und Verpflichtung aus meinem christlichen Glauben heraus.“ Sozialsysteme könnten nur bedingt helfen. „Mensch sein muss der Mensch.“ In den Gesprächen, die ohne politischen oder konfessionellen Druck geführt werden, geht es nicht darum, die eigene Meinung zu äußern oder gute Ratschläge zu erteilen. „Wir wollen eine ruhige Gesprächsatmosphäre schaffen und dem Anrufer das Gefühl geben, dass er ernst genommen und verstanden wird und vorbehaltlos über seine Situation sprechen kann“, sagt Schmied. Dass die Gesprächsinhalte der Verschwiegenheit unterliegen, sei selbstverständlich. Schmied, Kupsch, ihre 71 ehrenamtlichen und zwei hauptamtlichen Kollegen bei der Telefonseelsorge helfen Menschen, die keinen Ausweg aus ihrer Not sehen oder einfach nur einsam sind. Nach einer intensiven Ausbildung wurden sie Anfang des Monats in den Dienst eingeführt.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anrufe nur leicht gestiegen. Dafür hat Diakon Matthias Wittkämper, der Leiter der Soltauer Telefonseelsorge, eine andere Entwicklung erkannt. „Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren festgestellt, dass die Gespräche immer länger werden.“ Nicht selten dauere ein Gespräche auch mal länger als eine halbe Stunde. Woran das genau liegt? „Früher war es häufig nur ein Grund, der die Menschen beschäftigt hat“, sagt Wittkämper, „heute sind es eher mehrerer Gründe, die alle in den Gesprächen beachtet werden müssen.“ Auch deshalb ist das Büro in Munster, in dem insgesamt 22 Helfer aus dem Landkreis ehrenamtlich arbeiten, an 365 Tagen im Jahr erreichbar. Rund um die Uhr.