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Celle Stadt Ein viel versprechender Neuanfang
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ein viel versprechender Neuanfang
13:19 27.06.2011
Residenzorchester Celle Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Damit konnte man nun am wenigsten rechnen. Nach einer musikalisch eher dürftigen ersten Konzerthälfte geriet der zweite Teil des Konzertprogramms mit dem neu als Kammerorchester formierten Celler Residenzorchester in der Celler Exerzierhalle doch so gut, dass man diesem Orchester eine erfolgreiche Zukunft wünschen mag. Man scheint gestärkt aus der Krise hervorgegangen zu sein, wegen der die ursprüngliche Sinfonieorchestergröße auf Kammerformat abgeschmolzen wurde.

Da ist zunächst etwas ganz Banales: Celle hat keinen geeigneten Saal für ein kleiner besetztes Sinfonieorchester. Die Congress-Union ist nur dann halbwegs geeignet, wenn die Besetzung richtig groß ist. Die Stadtkirche ist aus vielerlei Gründen problematisch. Und die Exerzierhalle in der üblichen Bestuhlung als schlauchartiger Raum ist eher noch schlechter. Jedoch: Ohne passenden Konzertsaal kann man sich nie und nimmer als Sinfonieorchester etablieren. Es war ein Grundfehler des Residenzorchesters, dass man meinte, darüber hinwegsehen zu können.

Nun, in der kleinen Besetzung mit 13 Musikern, kann die Exerzierhalle quer genutzt werden. Das ist akustisch viel besser. Und das erlaubt eine größere Nähe zum Publikum. Kein Wunder, dass bereits in der Pause vielfach davon gesprochen wurde, wie interessant es sei, den Musikern so gut zuschauen zu können. Und dann erlaubt natürlich die kleinere Anzahl an Musikern es auch eher, das Wagnis einzugehen, mit minimalem Probenaufwand vors Publikum zu treten. Dabei darf allerdings nicht verschwiegen werden, dass das Orchester unüberhörbar zu wenig geprobt hatte. Sieht man allerdings die Anzahl der Proben in Relation zur Qualität der Aufführung, so kann man im positiven Sinne nur staunen und den Hut ziehen. Mit diesen durchweg guten Musikern wäre aber mit mehr Proben viel mehr erreichbar.

Henry Purcells Abdelazar-Suite kam so belanglos daher, dass man am liebsten ein wenig nachgeholfen hätte. In den beiden nachfolgenden Vivaldi-Konzerten wurde es leider kaum besser. Den schnellen Sätzen fehlte jeder Schwung, jede aus den Spielfiguren sich herausentwickelnde Motorik. Und Dirigent Andrzej Berezynski ging mehr mit dem Orchester mit als dass er es geleitet hätte. Damit war er dem guten Geigensolisten Pawel Zuzanski keine große Hilfe.

Anders dann Mozarts „Kleine Nachtmusik“. Nun wurde pointiert musiziert. Nun wurden Bögen gestaltet und gehalten. Jetzt wurden Höhepunkt an- und ausgespielt. Selbst der etwas träge Schlusssatz hatte so seinen Reiz. Und die beiden Streicherstücke von Edward Elgar und Gustav Holst wurden schließlich zu den lang beklatschten Höhepunkten des Konzerts. Jetzt hatten sich das Orchester und auch Dirigent Berezynski innerlich befreit.

Erfreulich, dass die Celler Lions-Clubs dieses Konzert ermöglicht haben. Bedauerlich, dass einmal mehr keine Repräsentanten der Stadt, des Kulturamts oder wenigstens der Politik bei diesem für das Überleben des Orchesters so wichtigen Konzert dabei waren. Andernorts nennt man so etwas Ignoranz.

Von Reinald Hanke