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Celle Stadt Eine Geschichte fliegt hoch: Fest für Celler Flüchtlinge
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Eine Geschichte fliegt hoch: Fest für Celler Flüchtlinge
18:55 13.06.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Ibrahima Ndiaye erklärt den Flüchtlingen, wie sie in dem Theaterstück als Baum auszusehen haben. Die Geschichte liest er aus seinem Buch "Mini-mini - Die Schlange, die Füße haben wollte" vor. Quelle: Audrey-Lynn Struck
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Es war einmal eine Schlange, die Füße haben wollte – zum Fußballspielen. Es waren einmal viele Tiere, die auswandern mussten – um mehr Nahrung zu finden. Und es war einmal ein senegalesischer Geschichtenerzähler namens Ibrahima Ndiaye, der bei seinem Germanistik-Studium in Deutschland hängen blieb. Seitdem arbeitet der 54-Jährige neben seinen Berufen als Schauspieler, Kabarettist und Schriftsteller als freier Mitarbeiter des Goethe-Instituts und besucht weltweit Schüler und Studenten. Am Montag war er am Gymnasium Ernestinum, um einem Flüchtlingskursus mehr von seiner Kultur zu erzählen.

Der eigentliche Schwerpunkt lag allerdings auf den Geschichten, die Ndiaye mitgebracht hatte. Diese hatte er nach den Erzählungen seiner Großmutter, die ebenfalls Geschichtenerzählerin war, aufgeschrieben. Doch statt aus einem seiner Bücher vorzulesen, bezog er die Flüchtlinge direkt mit ein. Sie sollten die Geschichte als kleines Theaterstück begleiten. Dafür wurden als erstes Rollen wie Affen, Zombies, Bäume und Säcke verteilt. Das Highlight war die Rolle der Prinzessin, mit der die meisten Mädchen im Raum liebäugelten.

Dann begann Ndiaye seine Erzählung mit den Worten "Kassi, kassi" (auf Deutsch: Die Geschichte fliegt hoch), woraufhin die Gruppe "Kassi kallo" (Bring die Geschichte runter) antworteten sollte. "Denn was bringt es uns, wenn die Geschichte oben fliegt. Wir müssen sie hier unten bei uns haben, um etwas daraus zu lernen", erklärte Ndiaye. Am Ende jeder seiner Geschichten sei eine Moral, um das Publikum zu fesseln. Das sei typisch für Senegal und werde auch als "Duft der Geschichte" bezeichnet.

Am Ende feierten die Flüchtlinge ausgelassen ein Fest mit Essen, Musik und Tanz. "Am lustigsten war es, als beim Theater zwei Männer geheiratet haben", berichtete Zeve. Auch die Grimassen, Purzelbäume und unbeschwerte Energie von Ndiaye kamen bei der 14-Jährigen und ihren Freunden gut an. Der Geschichtenerzähler war ganz in seinem Element und erklärte: "In den Momenten, in denen ich mit den Jugendlichen zusammenarbeite, bin ich genau so alt wie sie. Deshalb ist für mich dieser Beruf so kostbar."