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Celle Stadt Eine Insel der Besinnung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Eine Insel der Besinnung
19:32 01.12.2013
Mit festlicher Bläser- und Orgelmusik begrüßte die Stadtkirchengemeinde traditionell den Advent Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Es ist eine schöne Tradition, die Menschen am Vorabend zum 1. Advent in der Stadtkirche mit festlicher Bläser- und Orgelmusik auf die vorweihnachtliche Zeit einzustimmen. So wurde die Kirche am Sonnabend wieder zu einer Insel der Besinnung inmitten des vergleichsweise rastlosen Treibens zwischen Glühwein und Schmalzkuchen draußen auf dem Weihnachtsmarkt.

Vielfarbig musiziert und mit innigem Klang gestalteten Martin Winkler (Orgel) und die Celler Bläsergruppe unter der Leitung von Dietrich Ackemann ihr gemeinsames, im Wechsel vorgetragenes Programm. Und die annähernd 500 Zuhörer ließen sich tragen von den Suiten, Toccaten und Choralsätzen unter anderem von Buxtehude, Bach und Händel, aber auch von weitgehend unbekannten Komponisten wie dem Franzosen Louis Lefébury-Wély (1817-1869).

Dessen „Marché“ aus den „Meditaciones religiosas“ machte geradezu neugierig darauf, mehr von ihm zu hören, als Winkler dessen geradezu pianistischen Salonstil mit spürbarer Spielfreude auf die große Orgel übertrug und die Orgelpfeifen wie ein froh gestimmtes Ballett um die Ohren der Zuhörer zu tanzen begannen. Mit gleicher Hingabe widmete er sich auch Buxtehudes d-Moll-Toccata und – mit bezaubernd variierenden Flötenregistern – dem ariosen „Schafe können sicher weiden“ aus Bachs Kantate BWV 208.

Ebenso klangfarblich changierend wusste die Bläsergruppe etwa auch die schlichte, mal von den Hörnern, mal im Tutti in stiller Andacht vorgetragene „Leise, leise, fromme Weise“ aus von Webers Oper „Der Freischütz“ zu interpretieren. Es ist immer wieder ein Genuss, die Mischung aus dynamisch vorwärtsdrängender Motivik und besinnlich-emotionaler Stimmung bei diesem Ensemble mit zu erleben.

Die herrlich herausgespielten Kontraste zwischen festlichen Fanfaren („Tochter Zion“) und schwelgerischen Schmeicheltönen („Böhmisches Wintermärchen“) und die einfühlsam gemalten Stimmungsbilder, wenn sich die hohen aus den tiefen Stimmen erhoben wie bei Mendelssohns „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ waren gelungene Beispiele dafür, wie die Bläsergruppe die jeweilige Tonsprache adäquat mal in Klangfülle, mal in sanfte Strömungen umzusetzen vermag. Und auch die unmittelbare Gegenüberstellung von Händels populärem Adventsklassiker „Tochter Zion“ und dem Klassiker der neuen Kirchenmusik „Go, tell it on the mountains“ zeugte von ihrer ungemein wandlungsfähigen klanglichen und strukturellen Eleganz und mit ihrem ausgeprägten Sinn für dynamische Gestaltung.

Mit der „Abendsegen“-Fantasie aus Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ wurde das begeisternde Konzert in andachtsvoll-berührender Zartheit beendet.

Von Rolf-Dieter Diehl