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Celle Stadt Einfallsreiche Celler Slammer-Oldies
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Einfallsreiche Celler Slammer-Oldies
18:08 27.09.2017
Quelle: Peter Bierschwale
Celle Stadt

Man habe sich bewusst gegen die eher sportliche Slam-Version entschieden, bei der Sieger gekürt würden, erklärte Moderatorin Sabine Hantzko am Rande der Veranstaltung. Schon vor drei Jahren habe das Mehrgenerationenhaus damit begonnen, älteren Poeten eine Gelegenheit zu bieten, ihre Texte vor Publikum vorzustellen. Was sie auch festlegten, war, die Vorträge auf fünf Minuten zu begrenzen.

Das war bei dieser großen Zahl von Slammern auch sinnvoll, um die Dauer der von Sabine Hantzko moderierten Veranstaltung in Grenzen zu halten. Die Slammer waren gebeten worden, sich bei ihren Texten inhaltlich am Thema der Ausstellung zu orientieren, die gegenwärtig im Mehrgenerationenhaus läuft: „Gepäck aus der Heimat – Heimat im Gepäck“.

Als Erste trat Martina Hancke mit einer sehr besonderen Auslegung des Begriffs „Heimat“ auf, denn sie hatte einen Text geschrieben über „Betreutes Bestatten oder: Loch in Erde, Urne rin, Trauerrede, bimbimbim.“ Keiner wolle mehr in einem „Einheitsgrab“ liegen, es müsse schon was Besonderes sein: „Wir machen ihn uns hip, den Tod, mit Handy-Scan von QT-Code directly ab ins Internet. Fett.“

Der frühere Plattdeutschbeauftragte Jürgen „Guschen“ Heitmann aus „Olencelle“ beschäftigte sich in seinem natürlich auf Plattdeutsch geschriebenen Text „Schrieven as dat Muul wussen is?“ (Schreiben, wie das Maul gewachsen ist?) augenzwinkernd mit der „Tied“, die einem davonlaufe. Wenn es jemandem gelinge, Zeit zu sparen – habe er dann zu viel davon?

Auch die vielen anderen Slammer, die hier gar nicht genannt werden können, näherten sich auf sehr unterschiedliche Weise dem Thema an: Da ging es zum Beispiel um ein beschauliches Froschkonzert in den Allerwiesen oder die Betreuung von unterernährten Igeln in der dunklen Jahreszeit.

Besonders gut kam beim Publikum ein Gedicht von Claus Pabst an, dem er den Titel „Gepäck“ gegeben hatte. Darin ging er auf die Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen der Flüchtlinge ein: „Sie kommen oft mit leeren Händen, aber der Kopf ist voll Gepäck. Ihre Habe ist jetzt hatte, was einmal war, ist Schutt und Dreck.“ Die Veranstalter beschlossen spontan, Pabsts Gedicht in die laufende „Heimat“-Ausstellung aufzunehmen.

Von Peter Bierschwale