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Celle Stadt "Einheits-Jubiläumshengstparade" begeistert Celler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Einheits-Jubiläumshengstparade" begeistert Celler
18:14 04.10.2015
Von Michael Ende
Attacke: Die Lützower Jäger vom Landgestüt Redefin führten vor, wie man sich eine "wilde, verwegene Jagd" vorzustellen hat. Quelle: Benjamin Westhoff
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Mehrfach musste Landstallmeister Axel Brockmann das Publikum bitten, sich in Sachen Applaus im Zaum zu halten – andernfalls wären mit den sensiblen vierbeinigen Hauptakteuren des öfteren die Pferde duchgegangen. Die Pferde-Gala in der Wiege der Hannoveranerzucht begeisterte mit Evergreens wie der Ungarischen Post, den Römerwagen, königlichen Kutschen, Präsentationen von Junghengsten im Sprung oder bei der Dressur und natürlich der klassischen Dressurquadrille.

Angereichert wurde das traditionelle Programm durch Attraktionen, die dem Motto der Spezial-Parade entsprechend veranschaulichten, wie ganz unterschiedliche Pferdestärken immer wieder den Gang der deutschen Geschichte beeinflusst haben. Die Lützower Jäger vom Landgestüt Redefin führten vor, welche rasanten Reiter-Attacken bei den napoleonischen Besatzern im Jahr 1813 berühmt-berüchtigt waren. An ihren schwarzen Uniformen mit den roten Applikationen und goldenen Knöpfen ließ sich auch leicht ersehen, woher die deutschen Nationalfarben stammen.

Dass vor 25 Jahren erneut Menschen unter der schwarz-rot-goldenen Fahne für ihre Freiheit kämpften, daran erinnerten die Auto-Voltigierer von "Tra-Volta", die das Publikum mit ihren akrobatischen Kunststücken auf einem zum "Voltigierpferd" umgebauten Trabant 601 S begeisterten. Diese knatternde DDR-Fahrzeug-Ikone hat zwar ein lächerliches Äußeres und Steinzeit-Technologie unter der Plaste-Haube, doch sie meisterte souverän den Parcours. Dabei erwies sich der Trabant als ehrliche Haut: Anders als moderne High-Tech-Autos machte er keinen Hehl daraus, dass er ein echter Stinker ist: Hellblaue Abgas-Wolken zogen in Tausende Nasen und ließen ein wenig Ostalgie aufkommen. Der konnte sich auch Brockmann nicht entziehen: Mit NVA-Teddyplüschmütze auf dem Kopf ließ er sich auf dem Trabi-Dach durchs Rund kutschieren.

Für Spaß sorgte auch Heinz Müller mit seiner Freiheitsdressur mit "Robespierre" und "Dauphin". Er holte sich den zehnjährigen Till Brockmann als Assistenten aus dem Publikum. Ihm verriet Routinier Müller eines seiner Erfolgsgeheimnisse, das übrigens nicht nur bei Hengstparaden mit bockigen Rössern funktioniert: "Wenn der Hengst irgendwas macht, musst Du so tun, als ob's so sein soll." (mi)