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Celle Stadt Einigung im Celler Straßenstreit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Einigung im Celler Straßenstreit
21:03 27.03.2015
Von Gunther Meinrenken
    Straßenschilder Rommelstraße und Stülpnagelstraße Quelle: Anne Friesenborg
Celle Stadt

Die einen wollen sich ihr Bild von "ihrem Wüstenfuchs" nicht kaputt machen lassen, die anderen fürchten um den Ruf der Residenzstadt, wenn die Rommelstraße und die Stülpnagelstraße in Klein Hehlen, für die die NS-Generäle Namenspatrone sind, nicht umbenannt werden. Das sind noch relativ harmlos ausgedrückt die beiden Pole, zwischen denen sich derzeit die Diskussion um die Umbenennung der beiden Straßen dreht. In sozialen Netzwerken ist der Ton erheblich rauer. Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) und CDU-Fraktionschef Heiko Gevers, der auch als Bürgermeister der Stadt fungiert, wollen die Debatte jetzt versachlichen. "Wir möchten den sozialen Frieden in der Stadtgesellschaft erhalten", so Mende.

Gevers und Mende waren über die Entscheidung des Ortsrates Klein Hehlen, die beiden Straßen nicht umzubenennen, noch vor wenigen Tagen selbst in Streit geraten. Mende, der um den Ruf der Stadt fürchtete, zeigte sich entsetzt von der Entscheidung der Ortsratsmitglieder von CDU und Unabhängigen, wollte rechtlich prüfen lassen, wie der Stadtrat das Thema an sich ziehen könne. Gevers und der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Alexander Wille unterstellten Mende in diesem Zusammenhang, die Stadt als "braunes Celle" zu skizzieren. Gestern, 27. März, zeigten sich beide einig, dass dieses Verhalten in der Sache nicht weiterführe.

Die Diskussion soll jetzt "versachlicht" werden. Dazu solle die Debatte auf eine wissenschaftlich fundierte Basis gestellt werden. "Viele Menschen entscheiden aus dem Bauch heraus. Wir möchten den Cellern, den Anwohnern und den Ortsratsmitgliedern die Gelegenheit geben, sich noch einmal mit Rommel und von Stülpnagel geschichtlich auseinanderzusetzen. Wir wollen durch Aufklärung dazu beitragen, alte Bilder zu revidieren", sagte Gevers.

Der Weg dahin ist noch nicht endgültig abgesteckt und auch der Zeitrahmen noch nicht. Nach Mendes und Gevers Vorstellungen soll die schon einmal im Rahmen des Straßennamen-Gutachtens eingesetzte Kommission um den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinden Niedersachsens, Michael Fürst, und den früheren Staatsgerichtshofs-Präsidenten, Jörn Ipsen, erneut tätig werden. Auch die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten und ein Historiker sollen eingebunden werden. Angefragt worden sei aber noch niemand. "Ziel wird es sein, eine gemeinsame Richtlinie für die Benennung und Umbenennung von Straßennamen zu formulieren", meinte Mende.

Als nächstes würde das Thema im Verwaltungsausschuss mit allen Fraktionen besprochen. SPD und Grüne hätten bereits ihre Zustimmung signalisiert und auch die CDU sei mit im Boot, ebenfalls der Ortsbürgermeister von Klein Hehlen, Klaus Didschies, wie Gevers mitteilte. Mende hat im Gegenzug die Prüfung der Rechtmäßigkeit des Ortsratsbeschlusses in Klein Hehlen durch das Innenministerium aussetzen lassen. Kulturdezernentin Susanne McDowell soll nun bis zur Sommerpause die Umsetzung des Vorhabens vorbereiten.