Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt „Einmalige Chance“: Aus Kaserne wird Feuerwehrschule
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Einmalige Chance“: Aus Kaserne wird Feuerwehrschule
18:14 10.08.2010
Von Michael Ende
In Scheuen entsteht die niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz .McAllister in Feuerwehrschule Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Spätestens als sich im Mai 2010 der Arbeitskreis Innen und Sport der Landtagsfraktionen von CDU und FDP vor Ort ein Bild von der verwaisten Freiherr-von-Fritsch-Kaserne machte und danach die Umzugspläne der Landesfeuerwehrschule ausdrücklich begrüßte, war klar, wohin die Reise gehen würde: nach Scheuen. „Das ist ein großer Tag für Celle“, sagte gestern der Celler CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch, nachdem die Entscheidung für Scheuen bekannt gegeben worden war. „Wir sind glücklich und danken vor allem Innenminister Uwe Schünemann für sein Engagement in dieser Sache. Unsere jahrelangen Bemühungen, der Landesfeuerwehrschule ein geeignetes Übungsgelände zur Verfügung zu stellen und die Finanzierung abzusichern, haben sich jetzt gelohnt.“

Auf dem Gelände in Scheuen sollen bis 2020 Brandbekämpfungsanlagen, eine Übungshalle für wetterunabhängige Ausbildung sowie eine Vielzahl von Übungsobjekten und Übungshäusern errichtet werden, damit praxisnah und unter möglichst realistischen Bedingungen geübt werden kann. Das Bildungszentrum mit Lehrsälen und Einrichtungen für einen Internatsbetrieb schafft die Voraussetzungen für eine moderne Taktik- und Führungsausbildung. Ein Technikzentrum mit Werkstätten und Prüfstellen unter einem innovativen Umweltmanagement rundet das Gesamtkonzept ab.

„Grundlegend und zukunftsweisend“, nannte der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Karl-Heinrich Langspecht, der sich ebenso wie Adasch und der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Hennig Otte jahrelang für den Umzug stark gemacht hatte, die Entscheidung der Landesregierung: „Die Gesamtinvestition von 74 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren wird sich nachhaltig positiv auf unsere Region auswirken.“

Am Rande des Tags der Niedersachsen habe er in Gesprächen mit Kabinettsmitgliedern wie Innenminister Uwe Schünemann das Projekt unter Dach und Fach gebracht, sagte Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD): „Jetzt werden wir in Scheuen ein Zentrum aufbauen, das ein in Deutschland einzigartiges Potentials hat.“ Er könne sich vorstellen, dass sich die Landesfeuerwehrschule noch weiter entwickeln werde, so Mende: „Hier könnte eine Niedersächsische Akademie für Brand- und Katastrophenschutz entstehen.“

Bis zum Jahr 2020 soll die verwaiste Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Scheuen fest in Feuerwehr-Hand sein. Fotos: Müller

Nachnutzung für alte Panzerkaserne

Als Ende 2004 bekannt wurde, dass das in der Scheuener Freiherr-von-Fritsch-Kaserne stationierte Panzerlehrbataillon 34 „Celle“ aufgelöst und die Kaserne aufgegeben werden solle, war die Betroffenheit in Celle groß. Die Stadt hatte zwar Erfahrungen in Sachen Konversion von Militär-Liegenschaften, hatte so die Cambridge-Dragoner-Kaserne zum Jugendzentrum und die Heidekaserne zum Neuen Rathaus umfunktioniert – doch für das rund 600000 Quadratmeter große Areal in Scheuen gab es keinen Plan, den man hätte aus der Schublade ziehen können.

Die Landesfeuerwehrschule hatte bereits 2004 ihr Interesse an einem Teil der aus den 60er Jahren stammenden Scheuener Kaserne bekundet, doch ein Gesamtkonzept für die Zukunft des Areals fehlte. Für die Einrichtung eines Gewerbeparks ähnlich dem in der Wesendorfer Hammerstein-Kaserne war die Scheuener Anlage verkehrsmäßig zu weit vom Schuss. Die Stadt erwarb ein Haus am Rande und machte daraus ein Asylbewerberheim, das Soldatenheim am Reiherberg wurde kurdisches Veranstaltungszentrum.

Auf dem Gelände des ehemaligen Munitions-Depots errichtete die Jägerschaft Celle den „Schießpark Celler Land“, eines der landesweit modernsten Trainingszentren seiner Art. Hierzu passte auch die städtische „Idee“ einer Kasernen-Nachnutzung: Es wurde vorgeschlagen, das Areal aufzuforsten.

Stadt Celle übernimmt Vorfinanzierung

Nach aktuellen Schätzungen der Landesregierung belaufen sich die Investitionskosten für die neue Landesfeuerwehrschule in Scheuen auf 74 Millionen Euro. Sie sollten komplett aus den Feuerschutzsteuer-Einnahmen des Landes finanziert werden, so Innenminister Uwe Schünemann (CDU): „Der auf Niedersachsen entfallende Anteil am Feuerschutzaufkommen beträgt nach derzeitigen Schätzungen für das Haushaltsjahr 2011 etwa 34 Millionen Euro.“ Nach der Prognose des Bundes würden diese Einnahmen vermutlich noch ansteigen. Das Projekt Scheuen komme allen niedersächsischen Feuerwehren zugute, so Schünemann: „Belastungen für den Gesamthaushalt ergeben sich damit nicht, da das zweckgebundene Feuerschutzsteueraufkommen nur umverteilt werden soll.“

Die Stadt Celle werde das Vorhaben vorfinanzieren und das Land in Scheuen Mieter sein, so Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Diese Konstellation sei zunächst auf 30 Jahre ausgelegt, in denen die Stadt einen Eigenanteil von insgesamt 675000 Euro aufbringen werde. Mende: „Das ist mit den Ratsfraktionen so abgesprochen. Wir wollen als Stadt ein großes Invest von über 70 Millionen Euro stemmen. Wir sind selbstbewusst genug, das zu tun, denn wir sehen eine einzigartige Chance, die wir unbedingt ergreifen müssen.“

Meinung

Erfolgsstory

Wenn Celler Akteure aller politischen Ebenen gemeinsam an einem Strang ziehen, dann können sie auch scheinbar unendliche Geschichten um ein Kapitel bereichern, das sie zur Erfolgsstory macht. Das hat sich beim Bau der B3-Ostumgehung gezeigt, bei der Sanierung von Schloss und Landgestüt, bei der Aufnahme von Allerinsel und Innenstadt in Förderprogramme, bei der Gründung des Celler Geothermie-Clusters und jetzt in Sachen Landesfeuerwehrschule. Politiker darf man kritisieren – man darf sie aber auch loben. In diesem Falle ist das absolut abgebracht: gut gemacht.

Das Land hat Celle entdeckt. Hat eine Stadt gefunden, in der es sich lohnt, millionenschwer in die Zukunft zu investieren. Sollte es der Politik auch noch gelingen, in der demnächst alten Feuerwehrschule einen brandneuen Bohrtechnologie-Studiengang einzurichten, wäre das ein perfektes Happy End einer beispiellosen Erfolgsstory. Michael Ende