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Celle Stadt Einsam an Heiligabend: Menschen sind füreinander da
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Einsam an Heiligabend: Menschen sind füreinander da
18:39 22.12.2011
Celle Stadt

An die Kirchen wenden sich dieser Tage Menschen, die Hilfe brauchen. Jochen Grön, Gemeindepastor in Wienhausen, hatte vor einigen Tagen Besuch von zwei Frauen: „Sie sprachen nicht gut Deutsch, suchten Hilfe bei der Kirche.“ Die Kirchen können helfen, aber auch nur bedingt. Kleine Beträge kann Grön aus der Diakoniekasse entnehmen, außerdem gibt es Weihnachtsessen an zentralen Anlaufstellen - gestern zum Beispiel in der „Essenszeit“, der Diakonie am Harburger Berg.

Wohnungslose finden im Kalandhof eine Anlaufstelle, dort werden sie betreut. Am Mittwochabend wurde Weinachten gefeiert, mit allen gegenwärtigen und ehemaligen Bewohnern. „Für manche Menschen ist Weihnachten sehr schwer“, sagt Klaus Göth vom Kalandhof, „wenn sie keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie haben, sitzen viele allein in ihrer Wohnung und trauern der Vergangenheit hinterher.“ Und wie hilft man einsamen Menschen? „Durch Herzlichkeit! Dadurch, dass man sie annimmt, wie sie sind, sie nicht zu ändern versucht.“

Auch Flüchtlinge sind weitgehend alleingelassen. „Früher gab es zu Weihnachten eine Beihilfe“, erinnert sich Slottke. Heute müssen Flüchtlinge und andere Zuwendungsempfänger mit dem klarkommen, was sie regulär erhalten. „Die meisten Flüchtlinge sind Muslime, die feiern Weihnachten nicht“, berichtet sie. Erst kürzlich ist eine fünfköpfige Familie aus Nordafrika nach Bergen gekommen. „Vier Wochen waren sie in der zentralen Aufnahmestelle in Braunschweig.“

Vergangene Woche, ganz kurz vor dem christlichen Weihnachtsfest, konnten sie in Bergen eine Wohnung beziehen. Die älteren Kinder, elf und zwölf Jahre alt, sind schon jetzt in der Schule. Die Familie versucht, sich einzuleben. „Schwierig“, sagt Slottke, „sie sprechen kein deutsch, nur syrisch, kurdisch, ein klein wenig englisch.“ Öffentlich geförderte Sprachkurse gibt es nicht, ohne Sprachkenntnisse droht den Flüchtlingen die Isolation.

„Das ist mein Appell: Es soll gesellschaftlich wahrgenommen werden, wie viele Menschen zu Weihnachten allein stehen“, sagt Ludwigs. Das funktioniert über ehrenamtliche Helfer, die zu Weihnachten auf einsame Menschen zugehen, das funktioniert auch über die Netzwerke der Menschen selbst. „Hier gibt es viele Kurden“, sagt Slottke, „die Kinder lernen die Sprache über neue Freunde.“

Kein Thema, weil die meisten sowieso kein Weihnachtsfest feiern? Doch, korrigiert Susanne Slottke von der Berger Sozialabteilung. Gerade Jeziden übernähmen das Fest für ihre Familien. Doch vielen Menschen fehlt das Geld, seit es die staatliche Weihnachtsbeihilfe nicht mehr gibt. „Auch das macht die Menschen sentimental“, sagt Horst-Peter Ludwigs vom Celler Diakonischen Werk, „wer konsumieren kann ist froh, wer es nicht kann, ist außen vor.“

Von Isabell Prophet