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17:53 18.04.2013
Von Christoph Zimmer
Olaf - Sundermeyer
Celle Stadt

Die Polizei geht davon aus, dass der Cafébesitzer in kriminelle Geschäfte mit der Mafia verwickelt war. Familie und Freunde wenden sich von ihm ab, der soziale Abstieg schmerzt mehr als die schweren Verletzungen. Erst nach Jahren – nach der Aufdeckung der Mordserie der rechtsextremen Nationalsozialistischen Untergrunds NSU – geht die Polizei anderen Spuren nach. Dabei gab es Hinweise auf einen Zusammenhang schon länger. Als Opfer wurde Yurtseven nie anerkannt. Stille in der Buchhandlung.

Sundermeyer, der für das Buch seit fünf Jahren in engem Kontakt mit Opfern und Tätern, schilderte in der Lesung aber auch das Wesen der rechtsextremen Gewalt und erklärte, welche Motive die Täter antreibt und warum rechte Gewalt von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht immer gleich erkannt wird – was für großes Unverständnis bei den Zuhörern sorgte, die die Lesung im Rahmen der Aktionswochen gegen Rechtsextremismus besucht hatten.

In einer lebhaften Diskussion erklärte er den Gästen, dass die Richter sich „häufig dagegen wehren und nur den Straftatbestand bewerten und nicht den politischen Zusammenhang sehen“ würden. „Dass die Opfer dadurch zusätzlich traumatisiert werden, wird nicht immer erkannt.“ Aber das ändert sich seiner Meinung nach langsam. „Die Sensibilisierung für dieses Thema steigt.“ Grundsätzlich müsse sich die Einstellung der Menschen gegenüber Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ändern. „Wir müssen dafür sorgen, dass rechte Gedanken oder Homophobie in Deutschland keine Chance mehr haben.“