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Celle Stadt Einzigartiges Imkerei-Mekka in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Einzigartiges Imkerei-Mekka in Celle
18:28 10.03.2017
Von Michael Ende
Celle Stadt

Doch nachdem Generationen von Imkern sich mit ihren Bienenvölkern auf die Heide spezialisiert hatten, geriet diese Form der Imkerei in Gefahr. „Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gingen die Heideflächen aufgrund der mangelnden Bewirtschaftung und der dadurch einsetzenden Pflanzensukzession sowie Zerstörungen durch den Heideblattkäfer beständig zurück. Damit war auch die traditionsreiche Heideimkerei betroffen“, erläutert von der Ohe. Es sei damals dringend erforderlich geworden, die Korbimkerei mit dem Schwerpunkt der Spättracht Heide auf eine modernere Kastenbetriebsweise inklusive der Nutzung der Frühtrachten wie Obst und Raps umzustellen.

Dies bedeutete für die Imker nicht nur die Betriebsweise zu wechseln, sondern auch eine andere Biene auszuwählen. Die alte stechlustige Heidebiene, deren starker Schwarmtrieb bisher zur Vermehrung der Völker ausgenutzt wurde, war passé. Ein neuer Bienentyp musste her. Sanft, schwarmfaul, robust und fleißig sollte sie sein. „Hinzu kamen damals erhebliche Schwierigkeiten durch Bienenkrankheiten insbesondere die Amerikanischen Faulbrut“, sagt von der Ohe: „Die Negativfaktoren führten zu einem dramatischen Rückgang der Bienenvölker, Imkereien und hier besonders der berufsmäßig arbeitenden Betriebe. In der Gründung des Bieneninstitutes Celle im Jahr 1927 sah man die Chance zu einer positiven Veränderung.“

Im April 1927 wurde auf dem 62. Provinziallandtag zu Hannover der Beschluss gefasst, das „Hannoverschen Landesinstituts für Bienenforschung und bienenwirtschaftliche Betriebslehre“ in Celle zu gründen. Am 1. Juli 1927 war es dann soweit: Von nun an wurde auf den ganzheitlichen Ansatz in den Bereichen Forschung, Entwicklung, Untersuchung, Beratung und Schulung gesetzt.

Dem Hannoverschen Landesinstitut für Bienenforschung wurde ein umfangreicher Aufgabenkatalog auferlegt. Ein unbedingt zu lösendes Problem war, den Imkern neue Betriebsweisen zu vermitteln sowie Bienenkrankheiten zu diagnostizieren und bekämpfen. Eine solide Ausbildung der Imker war erforderlich. „All diese Aufgaben sind heute wie damals von großer Bedeutung, auch wenn die Schwerpunkte sich immer wieder verlagern“, so von der Ohe. Seit 1976 ist die Berufsausbildung zum Imker auf Grundlage der Tierwirt-Verordnung, Fachrichtung Imkerei, in Deutschland etabliert. Von der Ohe: „Berufsimker sind das fachliche Rückgrat der Freizeitimker. Sie engagieren sich in Imkervereinen und sind als Multiplikatoren der Guten Imkerlichen Praxis tätig.“

Nahezu 1000 Menschen haben seit 1931 im Bieneninstitut mit der integrierten Berufsschule für Imker ihre Gehilfen- oder Meisterprüfungen abgelegt. Mit acht Ausbildungsplätzen ist das Bieneninstitut der größte Ausbildungsbetrieb in Deutschland. Darüber hinaus wird ein bundesweiter Berufsschulunterricht einschließlich der theoretischen wie praktischen Unterweisung für alle Bundesländer, als Blockunterricht angeboten. „Den Berufsschulunterricht besuchen jedes Jahr rund 40 Auszubildende von Imkereien aus dem ganzen Bundesgebiet“, sagt von der Ohe, der die Leitung des Instituts im Jahr 2000 übernahm.

Anfang 2004 wurde das Bieneninstitut in das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit integriert und in das „Institut für Bienenkunde Celle“ umbenannt. Bereits Anfang der 2000er Jahre wurde der Forschungs- und Entwicklungsbereich weiter ausgebaut und an neue Erfordernisse angepasst.

In dieser neuen Ära hat sich das Institut für Bienenkunde in Niedersachsen zu einem einzigartigen Kompetenzzentrum für alle Belange der Bienenhaltung und angrenzender Bereiche wie Umweltmonitoring, Pflanzenschutz und Landwirtschaft entwickelt. Die Themengebiete des Instituts reichen von der Honig- und Wachsproduktion über die Zucht von Bienenköniginnen, die Vorbeugung und Behandlung von Bienenkrankheiten bis hin zur Qualitätskontrolle von Honig und zur Beratung von Imkern. „Zur Bekämpfung von Bienenkrankheiten wie der Amerikanischen Faulbrut sowie der zügigen Aufdeckung von Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel haben wir Konzepte entwickelt, die einen Leuchtturmcharakter für andere Bundesländer haben“, sagt von der Ohe.