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Celle Stadt Elke Wolters überzeugt Celler Jury
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Elke Wolters überzeugt Celler Jury
17:10 29.04.2016
Celle Stadt

Charmant moderiert von der Berlinerin Jessy James LaFleur, traten acht „Slammer“ mit ihren Texten an, darunter auch zwei Celler: „Der neue Stefan“ und die erst 16 Jahre alte Elena Wolters. Die erhielt von Jury und Publikum hervorragende Bewertungen und erreichte das Finale.

Die Poetry-Slams namens „Angeprangert!“ könnten sich zu einer neuen kulturellen Institution in Celle entwickeln. Wie Moderatorin LaFleur vermeldete, habe sich nach dem Erfolg des ersten Poetry-Slams in Fachkreisen herumgesprochen, dass in Celle ein „geiles“ Publikum“ warte. In der Zwischenzeit seien so viele Bewerbungen eingegangen, dass sie Schwierigkeiten habe, die alle in der zweiten Jahreshälfte unterzubringen.Wer würde sich sonst drei Stunden lang Poesie anhören, wenn nicht bei so einem Wettbewerb? Puristen mögen den Spiel- und Wettbewerbscharakter der Slams bemäkeln, aber genau das macht sie besonders für junge Erwachsene attraktiv. Und die auch meist jungen Dichter lernen so schnell, was beim Publikum ankommt – und was nicht.

Das führt keineswegs zu einer niveaulosen Einheitssoße, im Gegenteil, auch an diesem Abend waren Vielfalt und Niveau beachtlich: Der Braunschweiger Eberhardt Kleinschmidt war für den ersten Auftritt ausgelost worden und lehnte sich an Shakespeares Sonette über „Freundschaft und Liebe“ an: „Du bist mein neues Ich.“ Danny Koch aus Hamburg trug eine Art Comedy-Rap über Urlaub vor: „Ich zahle an der Strandbar mit der Payback-Card.“ Elena Wolters trug einen anrührenden Text über ihre Eltern und das Erwachsenwerden vor: „Früher habt ihr mir die Kleidung rausgelegt.“ „Aber es gibt immer mehr Tage, an denen ich selbst entscheide.“ Dieser Text brachte sie ins Finale.

Auch die folgenden Slammer trugen gute Texte vor. Bei der Entscheidung, wer Teilnehmer des Finales werden solle, taten sich die Juroren und das Publikum schwer. Schließlich wurden vier nominiert: Conni Fauck aus Rotenburg, die mit einem Text über eine sprechende Möwe und ihre Probleme mit den Menschen begeistert hatte, der Hamburger Danny Koch und eben die Cellerin Wolters. Und dann war da noch der Chemnitzer Erik Leichter, der im ersten wie zweiten Durchgang sein Comedy-Talent aufleuchten ließ: Zuerst hatte er mehrdeutig über eine Angebetete fantasiert, im Finale lieferte er eine kuriose Rentner-Parodie ab: „Die Zukunft ist beige!“

LaFleur hatte es bei der Kürung des Siegers schwer: Das Publikum klatschte und johlte bei Erik Leichter und Elena Wolter gleich frenetisch – auch bei der dritten Abstimmung. Also ernannte LaFleur beide zum Sieger. Der „traditionelle“ Preis, eine Flasche Ratzeputz, ging aus naheliegenden Gründen an Erik.

Von Peter Bierschwale