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Celle Stadt Emotional packender „Woyzeck" auf der Turmbühne des Celler Schlosstheaters
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Emotional packender „Woyzeck" auf der Turmbühne des Celler Schlosstheaters
17:03 09.11.2014
Überzeugten in der als Zwei-Personen-Stück gezeigten Inszenierung von „Woyzeck“ am Celler Schlosstheater mit einer grandiosen schauspielerischen Leistung: Philip Leenders (links) und Michèle Breu. Quelle: Benjamin Westhoff
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Adnan Taha (Regie) und Maria Moser (Bühne und Kostüme) haben aus diesem fragmentarischen Werk mit raffiniert einfachen Mitteln ein atmosphärisch verdichtetes Theaterereignis von ungemein packender Performance gezaubert. Es war eine tolle dramaturgische Idee, über Büchners „Woyzeck“ zunächst im Stuhlkreis philosophieren zu wollen und ihn dann aus der Diskussion der Protagonisten heraus – Fragment für Fragment und Büchners Subjekt-Objekt-Dialektik dabei immer wieder inhaltlich beleuchtend – zu inszenieren, ohne die Philosophie dadurch zu vernachlässigen.

Michèle Breu und Philip Leenders boten bei diesem Zwei-Personen-Stück eine grandiose schauspielerische Leistung. Es gelang ihnen auf überzeugende Weise, szenisch zwischen Alltagssprache und Büchners Sprache zu wechseln, diese durch Assoziationen und Vorausdeutungen metaphorisch miteinander zu verknüpfen und dabei auch noch die jeweiligen Charaktere von Marie, Hauptmann und Doktor beziehungsweise von Woyzeck, Tambourmajor und lockengewickelte Nachbarin, glaubwürdig und mit erstaunlicher gestalterischer und stimmlicher Variationsbreite darzustellen. Sie erzeugten Haltungen, Beziehungen, Stimmungen zwischen sich und gerieten dabei schnell von einem Extrem ins andere, vom Flüstern ins Schreien, von Streit in Zärtlichkeit, von liebevoller in tödliche Umarmung. Hier die zickige, triebbestimmte Marie in ihrer mal Furcht einflößenden, mal aufheiternden Augenblicksgebundenheit, in ihrer Spontaneität und Sprunghaftigkeit. Dort das Schicksal des von der Gesellschaft missbrauchten, emotional unter Kommunikationslosigkeit leidenden Woyzeck, der schließlich alles, was ihm widerfährt, als fremd und bedrohlich empfindet. Seine ihm von Büchner in den Mund gelegten Worte trafen ins Mark. Eine emotional ungemein packende Inszenierung.

Von Rolf-Dieter Diehl