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Celle Stadt Ende eines Celler Traditionsbetriebes
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ende eines Celler Traditionsbetriebes
14:08 28.06.2016
Demnächst schließt die Fleischerei Wessalowski in der Blumlage. Der steigende Konkurrenzdruck ist einer der Gründe. Quelle: Lothar H. Bluhm
Celle Stadt

Sorgfältig gerahmt hängen die großen Meisterbriefe von Horst und Jörg Wessalowski hinter dem hygienisch geputzten Verkaufstresen an der Wand. Urkunden und Zertifikate zu langjährigen Betriebsjubiläen zieren die Wand, daneben harte Rotwurst, Rauchenden und Eichsfelder Stracke. Die hausgemachte Dosenwurst steht gegenüber im Regal, Büchsen mit Kohlrouladen und Suppen aus eigener Herstellung daneben.

Noch – aber demnächst wird die Schaufensterjalousie der Fleischerei Wessalowski nicht mehr zur Seite geschoben. Demnächst ist das Ende der Traditionsfleischerei in der Blumlage gekommen. Dann bleibt die Ladentür geschlossen, bleiben die Lampen über dem Tresen dunkel - ein Mitglied der Fleischerinnung gibt auf: „Wenn wir an die Zukunft und die bevorstehende Stadtentwicklung denken, können wir nicht ruhigen Gewissens weitermachen“, nennt Jörg Wessalowski (51) einen seiner Gründe für die Geschäftsaufgabe. Denn auf dem früheren Feuerwehrgelände an der Bergstraße und in dem Einkaufmarkt von Cramer an der Wehlstraße werden Fleischtheken entstehen, die sich doch zur Konkurrenz des Handwerksbetriebes entwickeln werden. „Da mussten wir jetzt die Notbremse ziehen“, sagt Wessalowski, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Anja (49), das Fleischereifachgeschäft in der Blumlage betreibt.

In der zweiten Generation führen Jörg und Anja Wessalowski ihren kleinen Fleischereibetrieb. „1972 hatten meine Eltern das Geschäft übernommen, wir sind jetzt seit 23 Jahren verantwortlich“, blickt Jörg Wessalowski zurück.

Wichtig war beiden in all den Jahren, dass das verwendete Fleisch gute Qualität hat: „Hans-Heinrich Dralle vom Celler Fleisch-Handel lieferte mir genau das magere, gehaltvolle Fleisch der E-Schweine, das wir brauchten. Und wir wussten genau, welcher Bauer die Tiere großzieht.“

Gleichzeitig weist Wessalowski auf die Qualität der Erzeugnisse und auf den gesamten Produktionsprozess hin: Von der Rasse und Fütterung der Tiere über Transport, Schlachtung, Zerlegung und Herstellung der Produkte bis hin zum Verkauf im eigenen Laden. Vier Schweine setzten Wessalowskis im Schnitt pro Woche um.

Damit ist jetzt Schluss, denn die Kinder Mareike und Henrik haben sich bereits vor Jahren beruflich anders orientiert und für Jörg Wessalowski bot sich kürzlich die Möglichkeit eines beruflichen Neuanfangs. Anja Wessalowski wird voraussichtlich in der Branche bleiben.

Innungsobermeister Heiner Kleinschmidt aus Winsen bedauert den Schritt seines Celler Kollegen. Eigentlich herrsche eine ganz gute Stimmung bei den Celler Innungs-Fleischereien: „Wir selbständigen Fleischereibetriebe haben ja eben gerade keine uniformierten Waren, die überall gleich schmecken.“ Da gehe jetzt ein Stück Individualität verloren.

Von Lothar H. Bluhm