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Celle Stadt Energiemais und Wasserhaushalt: Unbehagen der Politik wächst
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Energiemais und Wasserhaushalt: Unbehagen der Politik wächst
18:07 19.08.2010
Energiemais: Immer mehr Felder Quelle: Tore Harmening
Celle Stadt

An langen Reihen von Energiemais-Feldern fahren die Celler derzeit entlang. Er liefert den Treibstoff für die zahlreichen Biogas-Anlagen, die inzwischen im Landkreis Celle errichtet sind oder gerade entstehen. Von 31 im Jahr 2008, ist die Zahl inzwischen auf 61 gestiegen. Die Probleme, die die lange Zeit als umweltfreundlich geltende Energiegewinnung inzwischen für die Natur verursacht, treten immer deutlicher zutage.

„Wir haben da einen Geist aus der Flasche gelassen, den wir nicht mehr kontrollieren können“, sagte der Grüne Gerald Sommer in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Er stellt damit fest, dass es eben nicht gereicht hat, nur bis zur Vermeidung von Öl- oder Gasverbrauch zu denken, wie es auch lange Zeit die Grünen gemacht haben.

Das Unbehagen der Politik gegenüber der immer weiter steigenden Monokultur und damit verbundenen starke Wasserentnahme zur Beregnung von Feldern im Celler Land war im Rahmen einer Diskussion zur Kartierung von gesetzlich geschützten Biotopen deutlich zu spüren. „Beregnung etabliert sich als Standart. Wir sind auf dem Weg von der ländlich geprägten Landwirtschaft zur Agrarindustrie. Mir wird Angst und Bange bei dieser Entwicklung“, sagt Albrecht Hoppenstedt (FDP).

Die Politiker sind vor allem auch besorgt, ob durch den zusätzlichen Wasserverbrauch durch Beregnung im Sommer und die weitere Belastung, die durch den geplanten Schlachthof bei Wietze entsteht, nicht zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führt. Die SVO hatte der Kreisverwaltung dazu mitgeteilt, dass sie Wasser auch aus anderen Landkreisen beziehen kann, damit die zulässige Menge der Entnahmen in den Grundwasserkörpern nicht überschritten wird.

Die Frage ist allerdings, ob das ausreicht, denn auch in den Nachbarlandkreisen wird die Zahl der Biogasanlagen zunehmen und damit Flächen mit Energiemais. Das Problem ist, dass der Landkreis derzeit nur wenig Möglichkeiten hat, um darauf Einfluss zu nehmen. „Wir sind für das Wassermanagement nicht zuständig. Das macht die Landesbehörde für Energie, Bergbau und Geologie“, sagt Kreisrat Gerald Höhl.

Auch die weitere Zunahme von Biogas-Anlagen werden der Kreis und die Kommunen nicht einschränken können, denn die Landwirte realisieren sie, sofern sie unter 0,5 Megawatt an Energie erzeugen über die privilegierten Bauvorhaben. Dieses Recht, das im Baugesetzbuch festgeschrieben ist, macht eine Mitwirkung der Kommune nur sehr begrenzt möglich.

Die Kartierung für die Biotope wurde bei Enthaltung der CDU empfohlen. Die CDU hatte darüber noch nicht beraten. Eine Empfehlung für die Veröffentlichung eines Bewirtschaftungsplans für die Grundwasserkörper wurde zunächst vertagt. Das Thema aber, soviel ist sicher, wird bleiben.

Von Tore Harmening