Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Energiewende in Celle ohne Geothermie
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Energiewende in Celle ohne Geothermie
19:18 28.01.2014
Von Gunther Meinrenken
An der Celler Bohrmeisterschule spielt Geothermie ein immer größere Rolle. Hier eine hydraulische Bohranlage, die im vergangenen Jahr für eine Fortbildung von der Firma Celler Brunnenbau zur Verfügung gestellt wurde. Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

"Die Förderung der Geothermie wird im Grundsatz fortgeführt. Der Technologiebonus wird gestrichen." Das ist die dürre Aussage, die sich im Eckpunktepapier für die Reform des Gesetzes für Erneuerbare Energien über die Rolle der Geothermie findet. Die Zukunftstechnologie, mit der Celle in den kommenden Jahren punkten will, spielt bei der Energiewende unter dem neuen Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) keine Rolle. Bei den Verantwortlichen in der "Stadt mit Energie" macht man eine gute Miene zum bösen Spiel.

Noch im Jahresausblick 2014 hat Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) seinen Parteifreund Gabriel auf die Bedeutung der Geothermie hingewiesen. Diese müsse grundlastfähig entwickelt werden, so Mende in dem Schreiben an seinen Parteifreund. Die Worte sind in Berlin ungehört verhallt. Die Bundesregierung setzt beim Ökostrom auf die "kostengünstigsten Technologien" – und dazu zählt die Geothermie nicht. Zu groß ist der Forschungsrückstand.

Während für Windenergie, Solarenergie und Bioenergie der "jährliche Zubau" in Giga- und Megawatt bemessen wird, heißt es für die Geothermie in dem Eckpunktepapier nur: "Aufgrund der Marktentwicklung sind keine Maßnahmen zur Mengensteuerung erforderlich." Auf gut deutsch: Der Beitrag der Geothermie zur Energieversorgung ist so gering, dass er für die Energiewende unerheblich ist.

Mende verwies darauf, dass der Ausbau der Geothermie in Niedersachsen und anderen Ländern schon im Regierungsprogramm aufgenommen worden sei. "Ich stelle aber auch fest, dass wir auf Bundesebene noch dicke Bretter bohren müssen." Gleichwohl glaube er nicht, dass die Tür bereits geschlossen ist. Nichtsdestotrotz fehle ihm der "technologische Mut", den er gerne bei der Bundesregierung gesehen hätte.

Der Verein Geoenergy bewertet das Eckpunktepapier überraschenderweise sogar "als Schritt in die richtige Richtung", wie Vorsitzende Susanne Schmitt mitteilte. Wichtig sei, dass die hydrothermale Geothermieverstromung auch zu gleichen Konditionen wie bisher fortgeführt werde.

"Im Bereich der bisher noch nicht marktgängigen petrothermalen Projekte zur Stromerzeugung hat der bisherige Technologiebonus leider zu keinen nennenswerten Verbesserungen geführt", so Schmitt. Sie sprach sich dagegen für eine Förderung dieser Vorhaben aus. Dafür liege bereits seit Jahren ein Konzept der acatech vor, an dem auch Geoenergy mitgewirkt habe. Dieses Konzept sehe eine Risikominimierung durch die Förderung der Erstbohrung sowie wissenschaftliche Begleitung vor. "Es wäre gut, wenn die Bundesregierung dieses acatech-Programm umsetzen würde“, sagte Schmitt.