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Celle Stadt Entwicklung der Celler Schuhstraße: Stadt wartet auf Eigentümer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Entwicklung der Celler Schuhstraße: Stadt wartet auf Eigentümer
18:25 29.04.2016
Von Gunther Meinrenken
Sinnbild für die schleppende Entwicklung des Quartiers Nordwall/Schuhstraße: die "Goldene Sonne", die die Stadt schon 2007 gekauft hat. Saniert wurde das Haus noch immer nicht. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Die Jahre zogen ins Land, ECE und Gedo kamen und gingen, H&M und Saturn siedelten sich an und die Schuhstraße ist zum großen Teil immer noch von den Kundenströmen abgehängt. Die "Goldene Sonne" sieht noch so aus wie vor neun Jahren. Zwischenzeitig diente das Gebäude Studenten der Hildesheimer HAWK als Domizil, bis auch dieser Keim der Hoffnung auf eine Celler Hochschule einging. Jetzt residiert zweimal in der Woche das Sanierungsbüro der Stadt in dem Haus. Aus der versprochenen Initialzündung droht ein Rohrkrepierer zu werden. Die "Goldene Sonne" – ein Sinnbild für die schleppende Entwicklung des Quartiers Nordwall/Schuhstraße.

Im Neuen Rathaus trifft man auf leicht betretene Gesichter, wenn nach der "Goldenen Sonne" gefragt wird. Stadtplaner Wolfgang Schucht versucht eine Ehrenrettung, spricht davon, dass man im Gebäude "einiges gemacht" habe. Von außen hat sich allerdings nicht viel getan. Der Hinterhof macht im Sommer oft einen verwilderten Eindruck.

Stadtbaurat Ulrich Kinder spricht lieber von einem "strategischen Gebäude". Warum es noch nicht gelungen ist, es zu entwickeln? Kinder: "Es ist schwer, alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen." Im Augenblick gebe es "Mut machende Gespräche", so der Stadtbaurat. Doch wenn nicht klar sei, wer das Gebäude später nutzen will, lohne es sich auch nicht, es aufwändig umzubauen, so der Tenor des Problems.

Damit erlebt die Stadt mit der "Goldenen Sonne" wohl genau das, was auch andere Hauseigentümer in dem Quartier Schuhstraße/Nordwall davon abhält, Geld in die Hand zu nehmen, was wiederum im Neuen Rathaus beklagt wird. "Die Eigentümer tun sich nicht zusammen. Teilweise fehlen die finanziellen Mittel", so Stadtplaner Schucht. Dabei gibt es bis zu 150.000 Euro Zuschuss pro Projekt aus dem Sanierungstopf für die Altstadt.

Kinder will von Stillstand nichts wissen. "Es ist ja nicht so, dass da gar nichts passiert. Fünf Sanierungen an Häusern in der Schuhstraße laufen oder sind fertig, fünf weitere beantragt", meint der Stadtbaurat vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Leerstände im Norden der Altstadt. Etwa neun Geschäfte sind derzeit ohne Nutzung. Eine Ursache, so Kritiker, sei ein fehlender Anziehungspunkt in der Schuhstraße, der Kunden in das Quartier bringt.

Die von der Zentro Gruppe vor etwa zehn Jahren ins Spiel gebrachte Hinterhofentwicklung zwischen Schuhstraße und Nordwall mit einem Mix aus Kleinhandel, Wohnen und Gastronomie haben die Stadtplaner endgültig zu den Akten gelegt. "An der Marktpassage an der Kanzleistraße kann man sehen, dass das leider nicht funktioniert", so Kinder. Im Neuen Rathaus setzt man auf eine Entwicklung zum Wohnquartier und den Brandplatz, der Kunden anlocken soll. Etwa mit einer Nachnutzung der ehemaligen Fleischerei Kielhorn, die auf den Platz ausstrahlen soll. Interessenten habe es schon gegeben, geklappt habe es aber noch nicht.

Dass ein fehlender Bebauungsplan, an dem die Stadt nun schon bald zehn Jahre arbeitet, die Eigentümer verunsichere, kann sich Schucht nicht vorstellen. "Nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches darf hier gebaut werden. Wenn einer eine Idee hat, sind wir die letzten, die etwas dagegen haben", betont Schucht. Das dürfte dann wohl auch für die Stadt selbst und ihre "Goldene Sonne" gelten. Gunther Meinrenken