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Celle Stadt Erfolgsgeschichte der Welfen aus Celler Sicht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Erfolgsgeschichte der Welfen aus Celler Sicht
16:21 16.05.2014
Von Oliver Gatz
Kunsthistoriker Dr. Heiko Laß, Kurator der Celler Ausstellung "Reif für die Insel". Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

CZ: Was steckt hinter dem Titel „Reif für die Insel“? Wie wird den Besuchern die Entwicklung zur Personalunion nähergebracht?

Laß: Wir haben in Celle die schöne Aufgabe, den Aufstieg der Welfen zu zeigen. Was haben sie unternommen, um eine Stellung zu erhalten, die ihnen die Königswürde einbrachte? Wir können eine Erfolgsgeschichte erzählen – und das in den historischen Räumen des Schlosses, das zum Glück im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde. Die Ausstellung ist zweisprachig und in vier Teile untergliedert. Einer befasst sich mit der Bedeutung Celles. Dass man sich um die Sukzession kümmerte, ging von hier aus. Die treibende Kraft war dabei Herzog Georg Wilhelm. Der hat sich richtig dafür eingesetzt. Und wir präsentieren den Besuchern die prächtige Hofkultur.

CZ: Was ist denn Inhalt der anderen Abteilungen?

Laß: Sie widmen sich den politischen Bestrebungen der Welfen, der Entwicklung in England und den damaligen Herrschaftssystemen. In jeder Abteilung gibt es eine erläuternden Einführung. Und wir zeigen die Protagonisten, die für den jeweiligen Inhalt stehen. Das kann zum Beispiel eine Skulptur oder ein Gemälde sein. Anhand der Exponate erzählen wir Geschichten. Dabei sprechen viele Objekte für sich. Wir berichten aber auch von den persönlichen Schicksalen der Menschen.

CZ: Wieviele Exponate gibt es denn?

Laß: Insgesamt umfasst der Ausstellungskatalog 243 Nummern mit zum Teil mehreren Exponaten. 95 Nummern beziehen sich auf Exponate aus dem eigenen Bestand, 80 stammen aus Hannover aus verschiedenen Sammlungen. Größter Leihgeber sind die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek und das Niedersächsische Landesarchiv Hannover. Wir haben eine ungewöhnlich gute Unterstützung erhalten.

CZ: Was sind denn Ihre persönlichen Highlights?

Laß: Das ist schwer zu sagen. Ich liebe alle Exponate. Aber besonders sehenswert ist sicherlich der Lüneburger Huldigungspokal in der Celler Abteilung - wegen seiner Dimension, der Kunstfertigkeit, seiner Form und Qualität. Den Pokal hat die Stadt Lüneburg dem Celler Herzog als Huldigung geschenkt. Ein ganz besonderes Exponat ist natürlich die Büste von Sophie von der Pfalz, die uns die Londoner National Portrait Gallery freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Sophie ist die wichtigste Person. Ohne sie hätte es diese Entwicklung nicht gegeben. Das ist die Frau, an der alles hängt.

CZ: Gibt es weitere Besonderheiten?

Laß: Aus den Niederlanden haben wir die Büsten von Wilhelm III von Oranien und seiner Frau Maria II erhalten - ebenfalls zwei wichtige Persönlichkeiten, die mit der Personalunion in Verbindung stehen. In einer Koje werden polemische Flugblätter zur Katholikenangst in Großbritannien gezeigt. Hier erlebt man direkt die Gefühle der Menschen von damals. Von historischer Bedeutung ist auch ein Gemälde von Georg I mit dem Hosenband-Orden - die höchste Auszeichnung, die die englische Krone verleiht. Dazu zeigen wir den Besuchern einen echten Orden aus dem frühen 19. Jahrhundert, der uns von Ihrer Königlichen Majestät Elisabeth II. aus der Royal Collection zur Verfügung gestellt wurde, sowie die Verleihungsurkunde und das Statutenbuch des Ordens. Beides stammt aus der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Aber das wichtigste Exponat ist sicherlich das Schloss. Der Besucher hält sich genau dort auf, wo Geschichte geschrieben wurde.

CZ: Prinz Charles ist Schirmherr der Ausstellung. Mehr Prominenz kann man sich ja kaum wünschen...

Laß: Ja, definitiv. Aber noch viel wichtiger finde ich, dass man sich in Großbritannien nun positiv an die Georges und unsere gemeinsame Geschichte erinnert. Das ist einfach großartig.

CZ: Wie lange ist die Ausstellung zu sehen?

Laß: Sie ist bis Anfang Oktober geöffnet. Den Tag der Deutschen Einheit nehmen wir noch mit.