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Celle Stadt Erhöhter Mindestlohn: "Das macht den Kohl auch nicht fett"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Erhöhter Mindestlohn: "Das macht den Kohl auch nicht fett"
18:37 05.01.2017
Servicekräfte und andere Minijobber bekommen ab diesem Jahr mehr Geld.  Quelle: Sebastian Willnow
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Zum 1. Januar wurde der gesetzliche Mindestlohn erstmals seit seiner Einführung vor zwei Jahren angehoben. Er steigt um 34 Cent auf 8,84 Euro pro Stunde. „Das macht den Kohl auch nicht fett“, sagt der Celler Unternehmer und Geschäftsführer von Hollywood Pizza, Firat Kahraman. „Dadurch wird sich für uns nichts groß ändern.“ Er habe sein Geschäft ohnehin umgebaut und setze jetzt verstärkt auf Teilzeit- und Vollzeitkräfte, die mehr als den Mindestlohn erhielten, so Kahraman. „Die haben meist eine stärkere Bindung mit dem Unternehmen und den Kunden.“ Der Mindestlohn hätte keinen Einfluss auf diese Entscheidung gehabt.

Dennoch hat auch der Deutsche Gewerkschaftsbund Niedersachsen (DGB) eine Veränderung in der Arbeitswelt bemerkt, die er auf die Einführung des Mindestlohns zurückführt. So zeigt eine Analyse, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigungen um 3,4 Prozent stieg, während Minijobs um 2,3 Prozent abgenommen haben. Die Zahl derer, die ausschließlich einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, ist um 4,5 Prozent gesunken.

„Der Mindestlohn hat vielen Beschäftigten in Niedersachsen ein kräftiges Lohnplus beschert. Besonders Beschäftigte in den Dienstleistungsbranchen und Frauen profitieren davon", sagt Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen. Aber der Mindestlohn habe auch zu mehr Beschäftigung geführt. Der vielfach befürchtete Abbau von Arbeitsplätzen sei dagegen ausgeblieben.

Eine Einschätzung, die der Unternehmerverband des Gastgewerbes Niedersachsen (Dehoga) nur bedingt teilt. „Arbeitsplätze sind im Gastgewerbe während der Laufzeit des Mindestlohngesetzes nicht abgebaut worden. Dies zeigen die statistischen Zahlen zur Arbeitsmarktentwicklung im Gastgewerbe, die seitens des Bundesamtes für Statistik erhoben werden. Es gibt allerdings auch Branchen und Regionen in Deutschland, die deutlich an Beschäftigung verloren haben“, sagt Hauptgeschäftsführer Rainer Balke.

Auch Martin Fündeling, Geschäftsführer des Taxen-Funk-Ruf Celle (TRF), sieht den Mindestlohn kritisch. „Wir haben vor zwei Jahren wegen der Einführung des Mindestlohns die Preise erhöhen müssen. Die Politiker in den Kommunen, bei denen wir die Preiserhöhung beantragt haben, fanden sie berechtigt, die Kunden jedoch nicht. Deshalb können wir die Preise nicht durchsetzen.“ Dies bedeute, dass ein Taxiunternehmer jetzt drei bis vier Stunden länger arbeiten müsse, um den gleichen Lohn wie vorher zu bekommen. Mit der Erhöhung, die nun zum Jahresbeginn in Kraft getreten ist, würde sich dieses Problem noch verschärfen, meint Fündeling.

Dass der Mindestlohn jetzt erhöht wurde, ist für Unternehmer und Verbände nicht wirklich eine Überraschung. „Dass bei steigenden Löhnen und Gehältern auch der Mindestlohn nach zwei Jahren steigen wird, konnte keinen überraschen“, so Balke. Auch Kahraman hatte sich darauf eingestellt: „Sowas erfährt man ja im Voraus von der Politik, sodass man sich darauf einstellen kann.“ Dies gelinge allerdings nicht in jeder Branche gleich schnell, erklärt Fündeling: „Wenn ein Restaurantbetreiber beschließt, seine Preise zu erhöhen, dann druckt er neue Speisekarten und fertig. Wenn wir die Preise erhöhen wollen, müssen die politischen Gremien erst einmal zustimmen, und wenn wir Pech haben, kann das ganz schön lange dauern. Und das Geld, das durch diese Wartezeit verloren geht, bekommen wir nicht zurück“, so der Taxiunternehmer.