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Celle Stadt Mit dem Kohlenbomber nach Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Mit dem Kohlenbomber nach Celle
17:52 11.01.2019
Von Christopher Menge
Viele Fotos von der Luftbrücke von Wietzenbruch nach Celle in den Jahren 1948/49 existieren nicht, aber Johann Berends hat eine ganze Reihe von Bildern aus der Zeit in seiner Sammlung. Quelle: Sammlung Johann Berends
Wietzenbruch

Seine Eltern sahen nur einen Ausweg – die Flucht in die West-Zone. So verließ die junge Familie mit Manfred Kuras (Jahrgang 1948), der damals ein halbes Jahr alt war, am 23. April 1949 – noch vor Gründung der DDR – Bad Doberan mit dem Ziel West-Berlin. Doch die Stadt war damals abgeriegelt, wurde über die Luftbrücke versorgt. "Durch den zusätzlichen Flüchtlingsstrom verschärften sich die Lebensbedingungen erheblich", erzählt Manfred Kuras. "Eltern mit Babys erhielten das Vorrecht, mit den leeren Transportflugzeugen ausgeflogen zu werden." Sein Interzonen-Reisepass dokumentiert den Royal-Air-Force-Flug am 29. April 1949 von Berlin-Gatow nach Wietzenbruch.

Im vergangenen Jahr – 70 Jahre nach dem Beginn der Luftbrücke – kam der Zeitzeuge nach Wietzenbruch, traf sich am Luftbrückendenkmal mit Gerda Kohnert. Die Ortsbürgermeisterin stellte jetzt den Kontakt zur Celleschen Zeitung her. "Viele wussten gar nicht, dass Menschen mit zurückgenommen wurden", sagt Kuras. "Aber beim Festakt zum 60-jährigen Jubiläum der Luftbrücke 2008 auf dem Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim erinnerte sich der ehemalige Pilot Eve Moore an den sogenannten Baby-Lift."

Dank an englische und amerikanische Piloten

Für die Familie Kuras ging es 1949 von Wietzenbruch weiter nach Ostfriesland. Dort fanden sie Unterschlupf bei den Großeltern von Manfred Kuras, der später als Lehrer in Hessen arbeitete. Er und seine Mutter – sein Vater starb bereits 1959 – sind den englischen und amerikanischen Piloten noch heute dankbar. "Ohne deren unermüdlichen und selbstlosen Einsatz wäre wahrscheinlich die Nachkriegsgeschichte Deutschlands und die Geschichte unserer Familie anders verlaufen", sagt das Kind der Luftbrücke.

"Flugzeug lag in der Aller"

Und nicht nur Manfred Kuras wurde von Berlin nach Wietzenbruch ausgeflogen, sondern auch die inzwischen verstorbene Frau von Hans-Günther Bloetz (Jahrgang 1938). "Meine Frau Waltraut ist mit dem Kohlenbomber gekommen", erzählt der Zeitzeuge. Sein Schwiegervater habe später auch Maschinen in Wietzenbruch beladen. "Wir Kinder haben aus dem Zug, der zum Fliegerhorst fuhr, ein paar Kohlen geklaut", sagt Bloetz, der sich auch noch daran erinnert, dass ein Flugzeug in Altencelle abgestürzt und in der Aller gelandet sei. "Lange hat es da aber nicht gelegen – die Amis haben es abgeholt", sagt Bloetz.

Startbahn in Wietzenbruch verlängert

Günter Anton (Jahrgang 1929) hat während der Luftbrücke am 2. Oktober 1948 seine Frau beim Ernteball in Wieckenberg kennengelernt. "Wir sind aus Osnabrück gekommen, um den Flughafen in Wietzenbruch in Schuss zu bringen", erzählt er. "Wir haben die Startbahn verlängert und Hütten gebaut." Untergebracht sei die Einheit in Ovelgönne gewesen. Im Frühjahr 1949, als sein Vater aus der Kriegsgefangenschaft kam, verließ Günter Anton Wietzenbruch in Richtung Berliner Heimat. "Ich bin schwarz über die Grenze", erzählt der Zeitzeuge, den die Liebe zurück nach Celle zog.

Aktiv bei der Luftbrücke mitgearbeitet hat Johann Berends. Der Celler hat der Celleschen Zeitung eine ganze Reihe von Bildern zur Verfügung gestellt. Krankheitsbedingt konnte er sich in dieser Woche allerdings nicht zu seinen Erinnerungen äußern.

Veronicas in der Stadt

Dafür meldete sich aber Hänschen Röling (Jahrgang 1940). "Die Wietzenbrucher Hausbesitzer haben durch die Amerikaner ordentlich Geld verdient. Es wurden jede Menge Zimmer vermietet", berichtet der Zeitzeuge. Und: Celle hatte plötzlich viele Freudenmädchen, sogenannte Veronicas. "Alle vier Wochen sammelte die Polizei die Damen ein und brachte sie zum Gesundheitsamt", so Röling. "Da war immer was los, Zuschauer waren immer dabei." Außerdem erinnert sich der Celler noch daran, dass Am Alten Kanal in Wietzenbruch Nissenhütten gestanden hätten.

Arnold Linke (Jahrgang 1930) wohnte während der Luftbrücke ganz in der Nähe des Flugplatzes, nämlich in der Heese. Ihn ärgert es, dass im neuen City Guide nur über die Luftbrücke von Faßberg nach Berlin berichtet wird. "In Wietzenbruch an der Fuhrberger Straße haben wir doch sogar ein Denkmal", sagt der Postkartensammler. Linke arbeitete damals beim Landvermesser Klatt. "In einer Nacht-und-Nebel-Aktion haben wir südlich der Ernst-Meyer-Allee alles vermessen. Hier sollten Wohnungen für die Piloten gebaut werden", erzählt Arnold Linke. "Keiner wusste ja, wie lange die Luftbrücke dauert." Den Engländern habe die Lage dann aber nicht gefallen. "Daher wurden für die Familien der Piloten Häuser an der Königsberger und Breslauer Straße gebaut", so Linke.

Aktion Storch: Kinder ausgeflogen

Im vergangenen Jahr hatte sich schon ein anderes Kind der Luftbrücke bei der CZ gemeldet: Mit einem sogenannten Rosinenbomber wurde der damals elfjährige Axel Peratoner (Jahrgang 1937), der heute in Celle lebt, aus dem britischen Sektor in Berlin nach Lübeck geflogen, nachdem die sowjetischen Truppen alle Zufahrtswege nach West-Berlin gesperrt hatten. Bei der "Aktion Storch" wurden Berliner Kinder in die britische Zone verschickt, wo sie bei Pflegeeltern unterkamen.

"Die Maschine hatte vorher Mehl nach Berlin geflogen, daher waren wir schön weiß", erzählt Peratoner, der im Flugzeug davon profitierte, dass er schon damals fließend Englisch sprechen konnte. Schließlich war seine Mutter gebürtige Britin. "Wir wurden von den Engländern mit Schokolade beschenkt", so Peratoner.

Nach seinem Flug mit dem Rosinenbomber von Gatow nach Lübeck ging es mit dem Bus nach Hankensbüttel, wo er eine Woche mit den anderen Kindern in der Jugendherberge verbrachte. Schließlich holten ihn seine Pflegeeltern dort ab und nahmen ihn mit nach Grassel (Gemeinde Meine). "Dort habe ich fast bis zum Ende der Blockade gelebt", sagt Peratoner. Mit dem Zug ging es schließlich zurück nach Berlin.

Die Berliner Luftbrücke

Die Berliner Luftbrücke diente der Versorgung der Stadt Berlin durch Flugzeuge der Westalliierten, nachdem die sowjetische Besatzungsmacht die Land- und Wasserwege von der Trizone nach West-Berlin vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 durch die Berlin-Blockade gesperrt hatte. Am 30. September 1949 wurde die Luftbrücke offiziell beendet.

Damals lebten etwa 2,2 Millionen Menschen im westlichen Sektor Berlins. Diese wurden über die Luftbrücke versorgt. Aus dem Landkreis Celle starteten die sogenannten Kohlen- und Rosinenbomber aus Wietzenbruch und Faßberg. (Quelle: wikipedia.org)

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