Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Erinnerung an Mauerfall im Celler Schlosstheater (mit Bildergalerie)
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Erinnerung an Mauerfall im Celler Schlosstheater (mit Bildergalerie)
07:12 10.11.2014
Von Gunther Meinrenken
Sonderveranstaltung am Schlosstheater Celle zur Grenzöffnung vor 25 Jahren Grenzkontrollen Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Verkniffener Gesichtsausdruck, starrer Blick, den Schlagstock in beiden Händen vor der Hüfte gekreuzt, um den Hals einen Feldstecher. So steht der DDR-Grenzsoldat am Schlagbaum. Davor warten die Menschen in einer Schlange. Geduldig stehen sie vor der Barriere, bis sie eingelassen werden, nur paarweise dürfen sie passieren, danach senkt sich die Schranke wieder. "Ich muss Sie bitten zu warten", ordnet der Grenzer an.

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls hat das Celler Schlosstheater am 9. November einen besonderen Erinnerungsrundgang inszeniert. Mit szenischen Spielsequenzen,Textcollagen und Medieninstallationen wurden die Besucher zurückgeführt in die Zeit des Beginns der deutschen Wiedervereinigung.

So begrüßte das Celler Schlosstheater am Abend des 9. November die Besucher zu einer ganz besonderen Inszenierung. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls hatte die Celler Bühne ihre Gäste mitgenommen auf einen Erinnerungsrundgang zur jüngeren deutschen Geschichte. "Wenn Grenzen fallen – ein Extra zur Kultur des Erinnerns", lautete der Titel der Vorführung, bei der Erfahrungen mit Grenzen und Ausgrenzung thematisiert wurden.

Die Gäste waren dabei in die Vorstellung eingebunden, wenn manchmal auch nur passiv. Vor der Schranke beispielsweise warteten alle geduldig, bis sie in den Innenhof des Schlosses vorgelassen wurden. Niemand stürmte den Grenzposten, der Schlagbaum und der DDR-Grenzer wirkten selbst im Theaterspiel einschüchternd. "Wir sind halt alle sehr brav", meinte ein Gast und sofort stieg der Respekt vor den DDR-Bürgern, die auf friedliche Art und Weise die Wiedervereinigung in die Wege geleitet haben.

Im Innenhof gab es zwar kein Begrüßungsgeld, aber immerhin Begrüßungskaffee und Bananen – letztere aber nur in kleinen Mengen. Sie waren schnell vergriffen. Der ganze Hof wurde mit Originaltonaufnahmen vom Grenzübergang Bornholmer Straße am 9. November 1989 beschallt, in der Hofmitte wurden Gebrauchtwagen angepriesen – Symbol für die Welt des kapitalistischen Westens, in die die Theaterbesucher treten sollten.

An der zum Grenzübergang Friedrichstraße umfunktionierten Garderobe wurden die Celler unversehens getrennt. Eine Gruppe machte sich auf den Konsumrundgang, eine andere auf den Fluchtweg durch unbekannte Treppenaufgänge des Theaters. "Die Zuschauer sollen sich einfühlen, was es heißt, getrennt zu werden. Im Theatersaal werden sie wiedervereint", erklärte Intendant Andreas Döring, der sich als Offizier der DDR-Grenztruppen verkleidet hatte. Das Ziel hat die Inszenierung erreicht.

Und noch eine Intention der Dramaturgen erfüllte sich wie von selbst. Gemeinsam sollten die Erinnungen an die historischen Tage aufgefrischt werden. Das passierte von Anfang an. Die Zuschauer kamen schnell ins Gespräch, tauschten Geschichten aus von der Willkür der DDR-Grenzer, die sie am eigenen Leib erfahren hatten, oder wo sie am 9. November vor 25 Jahren gewesen sind.

Im Theatersaal präsentierten die Schauspieler eine Collage aus Liedern, Zeitungsausschnitten und Erinnerungsstücken, die Celler eingereicht hatten. Die Zuschauer erfuhren von der Angst der DDR-Bürger, die sich dem Neuen Forum angeschlossen hatten, von Anekdoten wie der, als in Westdeutschland ein Trabi mit Tempo 100 in einer geschlossenen Ortschaft geblitzt wurde und vom Aufruf des damaligen Celler Oberbürgermeisters Herbert Severin, die DDR-Bürger bei sich übernachten zu lassen.

Die damals elfjährige, in Sachsen lebende Jana Schneider, die heute in Celle wohnt, trug ihre Erlebnisse selbst vor. Erinnerte sich zum Beispiel an die Westpakete. Die Familie wartete, bis der Vater abends von der Arbeit nach Hause kam, um das Paket gemeinsam auszupacken. "Das war total aufregend. Dieser Geruch nach Westen", schwärmte Schneider.