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Celle Stadt Ernestiner wollen "in dieser Welt eine Rolle spielen"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Ernestiner wollen "in dieser Welt eine Rolle spielen"
17:51 16.06.2017
Von Gunther Meinrenken
Die Jahrgangsbesten des Gymnasiums Ernestinum, Cara Ammann und Hagen Papenburg, mit ihrem Schulleiter Johannes Habekost. Quelle: Oliver Knoblich
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Habekost eröffnete den Reigen der Reden erst einmal mit den grundlegenden Daten des aktuellen Abiturjahrgangs. Von den 73 zur Prüfung zugelassenen Schülern haben 66 die Prüfungen bestanden. Der Abiturschnitt liege bei 2,57 (Vorjahr 2,46), legte der Schulleiter dar, der das Jahrgangsmotto als "eine witzige Artikulation Ihrer aufgestauten positiven Erwartung und Energie für die Zeit nach der Schule" interpretierte. "Es ist auch ein Indikator dafür, dass Ihnen der Aufenthalt im 'Bunker' vielleicht doch nicht geschadet hat, sondern sogar die Herausbildung von Sachkenntnis, Urteilsvermögen, Eloquenz, Lebensmut, Kreativität und Identität unterstützt haben könnte, die sich nun Bahn brechen wollen".

Die Lehrerin Susanne Kircher, die ihren letzten Abiturjahrgang verabschiedete, und ihr Kollege Sven Anton Klose munterten die Schüler zunächst auf: "Sie stehen auf dem Bildungsgipfel, ab jetzt wird alles easy und cool", dann folgte der Schock, denn die beiden Lehrer wollten, durch das Motto animiert, über das Scheitern reden.

Klose zitierte im Folgenden aus der "Offenbarung", die die perfekte Verbindung zum Ernestinum lieferte. Kircher fand das "besonders apart, weil es sich um die Offenbarung des Johannes handelt. Sie kennen nicht vielleicht jemandem mit diesem Vornamen, liebe Anwesende? Einen Schulleiter, zum Beispiel?", schlug sie einen witzigen Bogen zum Direktor des Ernestinums, bei dem sie eine klare Parallele zu seinem biblischen Namensvetter entdeckte. Beiden ginge es "nach erschreckenden Bildern vom Weltuntergang um Trost und Hoffnung". Am Ende kam die positive Nachricht: "Scheitern gehört zum Menschsein, so wie andere tatsächliche oder vermeintliche Schwächen, aus denen man bei richtiger Reaktion immer neue Kräfte entwickeln kann", so Kirchner.

Einen anderen Schwerpunkt setzten die Abiturienten Johann Hartmann und Vinzent Wiedemann. Nachdem sie mit viel Humor in die Rolle von zwei selbstverständlich nur erfundenen Abiturprüflingen geschlüpft waren, fragten sie sich ausgehend vom Shakespeare-Zitat "Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler", was sie im "Probenzeitraum", sprich der Schulzeit, denn fürs Leben gelernt hätten. Es drohe tatsächlich eine Art Abikalypse, "der Untergang der uns bekannten Welt", meinten die beiden Schüler. Doch bange ist ihnen nicht. "Die riesige Bühne des Lebens wartet auf uns und wir sind gut vorbereitet, weil wir eben nicht nur unseren Text gelernt haben, sondern auch wissen, wie wir ihn umsetzen können. Lasst uns auf dieser Welt eine Rolle spielen", riefen sie ihren Mitschülern zu.