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Celle Stadt Erst Stimmen im Knast gehört – dann zugeschlagen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Erst Stimmen im Knast gehört – dann zugeschlagen
11:33 22.06.2011
Celle Stadt

CELLE. Der wegen sechsfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe Verurteilte gab zu, seinem Mithäftling mehrere Faustschläge gegen den Kopf versetzt zu haben. Der gelernte Mechaniker erlitt Schwellungen und ein blaues Auge. Er habe zwar gewusst, dass der Geschädigte auf dem betroffenen Auge blind sei, aber nicht, dass er ein Glasauge habe, beteuerte der 34-jährige Angeklagte aus Salzgitter. Den Vorfällen war ein Streit der befreundeten Inhaftierten vorausgegangen. Demnach soll der Angeschuldigte seinen zwei Jahre jüngeren Mithäftling genötigt haben, vor Gericht eine Falschaussage zu seinen Gunsten zu tätigen. Da er jedoch ablehnte, weil er den besagten Fall nicht kannte, erfolgte eine plötzliche Prügel-Attacke, berichtete der wegen eines Tötungsdeliktes Inhaftierte aus Celle.

Er sei ahnungslos mit dem Putzeimer aus der Dusche gekommen um seinen Haftraum zu reinigen, als der Beschuldigte plötzlich mit Schimpfwörtern und Faustschlägen aus dem Hinterhalt kam und auf ihn losging. Überwachungskameras auf dem Flur dokumentierten die Schläge, welche derart heftig ausgeführt wurden, daß sie beim Beschuldigten sogar zu einem Bruch des Handgelenkes führten. Er sei den Stimmen eines "bösen Geistes" gefolgt, lautete dessen Erklärung zu den Vorfällen. Eigentlich habe man kurz vorher noch gemeinsam Kaffee getrunken. Dann habe „dieses Knistern“ in seinem Kopf wieder angefangen, und er habe sich wie betäubt gefühlt, schilderte der an einer Psychose Leidende. Dann sei der Geschädigte aufgetaucht und habe ihn angepöbelt, er „solle ihn nicht so ankucken“. Und weil er einen Besenstiel in der Hand hielt und damit „zuckte“, habe er schnell zugeschlagen, aus Angst, zuerst geschlagen zu werden.

Den „Befehl“ für sein Handeln habe der Angeklagte von einem "Dämon" erhalten, von welchem er angab, seit seinem dreizehnten Lebensjahr durch ein familiäres Verhexungsritual besessen zu sein. Dessen Stimmen würden ihn „aufstacheln“ und seine „Gedanken kreisen lassen“; es gebe aber auch stabile Phasen. Ein sachverständiger Facharzt für Psychiatrie aus Lüneburg bestätigte die Erkrankung des Angeklagten. Es handele sich um eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis mit optischen und akustischen Halluzinationen.

Von Anke Prause