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Celle Stadt Erst war die Handtasche weg – dann der Kühl-Anhänger
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Erst war die Handtasche weg – dann der Kühl-Anhänger
15:19 07.11.2010
Celle Stadt

CELLE. Vor Gericht wollte der angeklagte Vater eines Sohnes zu den Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben. Die geschädigte Nachbarin erklärte im Zeugenstand, sie sei wegen dringenden Durchfalls in ihre als Büro genutzte Zweitwohnung geeilt, und habe Handtasche und Hund vor der Wohnungstür des mehrstöckigen Mietshauses in Altencelle belassen. Der Hund sei jedoch nicht bei der Tasche sitzen geblieben, sondern in die Wohnung gelaufen, während die im Hausflur abgestellte Handtasche verschwand. Als die Zeugin den Verlust registrierte, habe sie lediglich die mitgebrachten Geschenke für ihre Tochter und das Portmonee mit 450 Euro Bargeld vermisst.

Da die 52-jährige Bäuerin für gewöhnlich zwei Handtaschen im Gebrauch hat, bemerkte sie erst nach drei Wochen das Verschwinden des Führerscheins, sowie der Schlüssel und Fahrzeugpapiere zum Koffer-Anhänger. Erst als sie das gute Stück auf einer Celler Hauptstraße vorbeirollen sah, sei die Geschädigte zur Polizei gegangen. Bei eigenen Recherchen habe sie festgestellt, dass der Anhänger in Ronnenberg umgemeldet worden sei.

Der dort ansässige Käufer schilderte bei seiner Anhörung, dass er sich auf die Internetanzeige wegen des Verkaufs eines Anhängers gemeldet, und hernach zu dessen Besichtigung mit zwei Herren getroffen habe. Diese hätten ihm erklärt, sie wollten ihn „für ihre Tante“ verkaufen. Der 46-jährige Tankstellenpächter, der seit 25 Jahren Anhänger vermietet, sei mit den beiden Händlern zu einem Dritten gefahren, um dort über eine Kabeltrommel durchs Fenster die Kühlaggregate zu testen. Anschließend habe man ohne Vorlage von Ausweis- und Vertragspapieren die Kaufabwicklung mit einem Preis von 3500 Euro getätigt. Vier Wochen danach habe die Polizei bei dem Käufer vor der Tür gestanden. Der Anhänger befindet sich nach wie vor in dessen Besitz.

Die Staatsanwältin hegte ihre Zweifel am „gutgläubigen Erwerb“ des Abnehmers, der sich den fragwürdigen Handel nicht einmal mit einem Beleg hatte quittieren lassen. Auf Fragen der Geschädigten zur Wiedererlangung des „rollenden Diebes- und Handelsgutes“ konnte im Prozess nicht eingegangen werden. Er musste unterbrochen werden: Wegen unentschuldigten Nichterscheinens dreier Zeugen wurde ein neuer Termin am Donnerstag dieser Woche anberaumt.

Von Anke Prause