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Celle Stadt Erste Hilfe für Celler Igel
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Erste Hilfe für Celler Igel
18:15 13.10.2016
Renate Melchior zeigt den kleinsten Patienten. Er hat noch keinen Namen und sucht einen Paten, der ihm Futter spendet. Seit dem 25. September ist er in der Meißendorfer Igelstation. Während er unterkühlt mit nur 86 Gramm gefunden wurde, wiegt er mittlerweile 135 Gramm.   Quelle: Oliver Knoblich
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Seit gut 25 Jahren bietet Martina Schulenburg kranken, verletzten und jungen Igeln ein Zuhause in ihren Stallungen in Ummern. Zurzeit befindet sich 11 Igel in den eigens für sie hergerichteten Buchten. Ganz besondere Gäste haben die Schulenburgs nun in ihrem Wohnhaus aufgenommen. Eine Igel-Mama hat mit ihren fünf kleinen Babys ihre neue „Wohnung“ bezogen. Tief entspannt schlummern die kleinen Knäule zwischen Papier und Tüchern, nur die kleinen weißen Baby-Stacheln blitzen hervor. Für die menschliche Igel-Mama ist es das erste Mal, dass auch ein Muttertier in die Station gebracht wurde. „Die Mutter versorgt ihre Kinder mit der nahrhaften Milch“, freut sich die Ummerin.

Doch die Igel bekommen nicht nur ein sicheres Dach über dem Kopf, sondern leben in freier Kost und Logis bei den Schulenburgs. Neben den Aufwendungen für Medikamente, ist auch das Futter ein großer Kostenpunkt - die Dose Aufzuchtmilch kostet 50 Euro. Doch die Pflege zahlt sich aus: Im vergangenen Jahr wurden 50 Igel auf der Station versorgt und alle sind durch den Winter gekommen. Besonders bei den ganz kleinen Igelkindern sei die Pflege ein Tagesprogramm. Alle zwei Stunden werden die Kleinen gefüttert, das bedeutet für Schulenburg, sich auch nachts einen Wecker zu stellen, um die Tiere zu versorgen.

Die Nacht ist auch für Anne und Renate Melchior aus Meißendorf kurz, denn ihre Tierpflege kennt keine Nachtruhe. „Egal ob am Wochenende, Feiertags oder in der Nacht, wir sind immer über das Handy erreichbar“, betont Renate Melchior. Für sie beginnt und endet der Tag mit den Igeln, denn aufgrund akuter Platzprobleme haben die Melchiors jeden Winkel ihres 70 Quadratmeter großen Nurdachhauses für die Igel bereitgestellt. Ob in der Küche, im Wohnzimmer oder im Bad, wo es nur möglich ist, befindet sich ein Käfig mit einem stachligen Pflegepatienten. Als der Igel Kazi vor einem Monat eingeliefert wurde, hatte er nur ein Gewicht von 96 Gramm, jetzt bringt er schon stolze 467 Gramm auf die Waage. Akribisch führt Anne Melchior für jeden Patienten ein Protokollbogen auf dem sie Gewicht, Medikation, Futter und Auffälligkeiten notiert. Für ihre Mutter beginnt der Tag mit dem Wiegen der Igel, die Reinigung des Käfigs und dann wird gefüttert. „Ein Igel wurde hergebracht, der unter einen Rasenmäher gekommen ist, diesen habe ich nur von Hand füttern können“, erklärt Renate Melchior betroffen.

Doch die Platzenge werde zunehmend zu einem Problem, da eine nachhaltige Versorgung der Igel unter den gegebenen Umständen nicht mehr lange gewährleistet sei, erklärt Anne Melchior. Sie seien auf der Suche nach einem neuen Gebäude für die Igelstation. In Meißendorf sind sie fündig geworden und haben ein Haus reservieren können. Im Keller soll Platz für eine Aufnahme von bis zu 100 Igeln zugleich geschaffen werden und ein Raum für Quarantäne und Behandlung eingerichtet werden. Zudem biete sich auf dem Grundstück auch ein Freigehege an. Doch gegenwärtig gebe es Probleme mit der alten Ölheizung, deren Dämpfe für die geschwächten Igel giftig seien. „Wir benötigen eine neue Heizungsanlage, doch dafür fehlt uns das Geld“, erklärt Anne Melchior. Oft haben sie ans Aufgeben gedacht, doch für die beiden steht fest: „Die Igel kämpfen, also kämpfen wir auch.“