Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt "Erzieherinnen sind überfordert"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Erzieherinnen sind überfordert"
14:46 13.12.2011
Von Oliver Gatz
Fordert Verbesserungen am Kindertagesst‰ttengesetz: J¸rgen Homann, Vorsitzender des ver.di-Landesbezirks Niedersachsen/Bremen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Für Verbesserungen im niedersächsischen Kindertagesstättengesetz kämpft die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Das Gesetz besteht seit 1991. Aus Sicht von ver.di besteht akuter Reformbedarf. Nach der Sommerpause will die Gewerkschaft im Vorfeld der Landtagswahl am 20. Januar 2013 niedersachsenweit Aktionen starten.

„Das Kindertagesstättengesetz entspricht nicht mehr den heutigen Erfordernissen. Seit 1991 hat sich die Gesellschaft sehr stark verändert“, sagte Jürgen Homann, Vorsitzender des ver.di-Landesbezirks Niedersachsen/Bremen, bei einer Informationsveranstaltung in der Celler Geschäftsstelle am Wasserturm, zu der lediglich eine Handvoll Erzieherinnen kamen. Migration, bildungsferne Schichten und unzureichende Ernährung der Kinder: All das stelle die Betreuerinnen heutzutage vor große Herausforderungen. „Die Erzieherinnen sind ständig überfordert“, betonte Homann. Immer mehr Beschäftigte würden krank, litten unter Burn-Out oder seien nervlich erschöpft.

„Die Arbeitsbedingungen müssen besser werden“, forderte Homann – auch mit Blick auf Inklusion, also die Betreuung behinderter Kinder in Regelgruppen. Ver.di verlangt eine umfassendere Freistellung für Management-Aufgaben der Leiterinnen und eine Verdoppelung der Vorbereitungszeit für Fachkräfte. „Die Relation der Fachkräfte zu den Kindern muss erheblich verbessert werden“, sagte Homann. Die Kita-Gruppen sollten nicht verkleinert werden, sondern es sollte dort mehr Fachkräfte geben. Fachberatungen müssten zur Regel werden.

Homann verwies auf das Beispiel Finnland – vorbildlich in der Pisa-Studie – , wo Kinder mit Defiziten nicht aussortiert, sondern in kleinen Regelgruppen von Fachkräften betreut werden. Ziel sei es, alle Kinder schulfähig zu machen.

Als zukünftige Mindestqualifikation in den Kitas fordert ver.di den Status Erzieherin. Die jetzigen Kinderpflegerinnen sollen aber bis zu ihrem Ausscheiden weiterbeschäftigt werden. Darüber hinaus macht sich die Gewerkschaft für bessere Raumstandards stark. Finanziert werden soll das Ganze über eine Vermögenssteuer für Reiche. Homann: „Wir kämpfen für eine bessere Bildung aber auch dafür, dass wir nicht kaputt aus dem Beruf herausgehen.“

Die Situation in den Celler Kitas ist vergleichsweise komfortabel. Pro Gruppe gibt es drei Fachkräfte. Das Gesetz sieht nur zwei vor. Dennoch gibt es auch in Celle große Probleme. „Bei uns sind viele Kinder mit Migrationshintergrund. Man möchte gute Arbeit leisten, aber man übernimmt sich“, sagte Katja Zeiske, Erzieherin der Kita Neustädter Holz. Bei den Kindern nähmen Entwicklungsstörungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu.

„Der Betreuungsaufwand ist größer geworden“, fügte Ruth Feldmann, Erzieherin in der Kita Wietzenbruch, hinzu. Es gebe immer mehr Kinder, die nicht trocken seien. Das ziehe einen erhöhten Pflege- und pädagogischen Aufwand nach sich. „Viele Eltern gehören der Computergeneration an. Sie lesen den Kindern nichts mehr vor, sondern setzen sie vor den Fernseher“, beschrieb Feldmann die Situation.