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Celle Stadt Es kratze und juckte: Reise ins „Perückenzeitalter“ im Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Es kratze und juckte: Reise ins „Perückenzeitalter“ im Schloss
15:04 29.11.2010
Anke Weisbrich erläutert, wie mit den Papilloten gearbeitet wurde um die "Pudelfrisuren" hin zu bekommen. Quelle: Margitta True
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CELLE. Thema der Gespräche sind die Pudelfrisuren. Obgleich sich dieser Vergleich mit den Kopfputzen der Herrschaften aus dem Barock nahezu jedem aufdrängt, stammt der Begriff doch nicht aus dem Munde der Besucher. Volontärin Anke Weisbrich, die für ihre erste Führung im Residenzmusuem das Thema Frisuren des Barocks gewählt hatte, zitierte einen polnischen Höfling, der genervt festgestellt hatte, dass die Köpfe seiner adeligen Zeitgenossen wie die größten Pudel seien, die einem das Tageslicht verdeckten.

In ihrer Blütezeit, berichtete Weisbrich, seien die hohen Frisuren durch Kontakt mit den Kronleuchtern in Brand geraten, hatten im Theater die Sicht unmöglich gemacht und große Probleme in Kutschen bereitet.

Was zurzeit der Renaissance mit Lockenstab und Papilloten aus Pfeifenton in stundenlanger Mühe gearbeitet worden war, entwickelte sich später zu kunstvoll gefertigten Perücken; für jene, die es sich leisten konnten aus Menschenhaar, während andere auf Ziegenhaar zugreifen mussten, stets mit Pomade und Säuren bearbeitet, im Ofen bei milder Temperatur gebacken. Es kratzte und juckte, es rutschte und schmerzte - doch Weisbrich betonte, dass die Frisur Spiegel der sozialen Identität war. Die Führung gibt einen interessanten Einblick in die Abläufe am Celler Hof, die tiefere Bedeutung der Mode und auch die wirtschaftlichen Hintergründe, etwa der Perückensteuer: Perückenriecher waren eigens unterwegs um die Kunstwerke von den Köpfen zu nehmen und zu überprüfen, ob der vorgeschriebene Siegelstempel des Zolls vorhanden war, immerhin gab es im Barock eine Fünfklassen-Gesellschaft unter den Perückenträgern, die wertvollsten Perücken schlugen mit 1000 Talern zu Buche und die wiederum versteuerte der Staat mit satten 25 Prozent.

Manche Dame durchsaß die Nacht im Sitzen, um die kostbare Frisur nicht für den folgenden Tag zu gefährden. Das einfache Volk musste in Renaissance und Barock auf langes Haar und Locken verzichten. Bedauernswert?

Am Freitag, 17. Dezember, 15 Uhr, wird Juliane Schmieglitz-Otten die Gäste der herzöglichen Teestunde durch das Museum führen zum Thema „In höchsten Tönen zu loben - Musik am Celler Hof“. Kartenreservierungen sind möglich ab 14 Tage vor der Veranstaltung, Infos unter s (05141) 12373.

Von Margitta True