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Celle Stadt Europatag des Frauenrings in Celle: EU bleibt Modell mit Strahlkraft
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Europatag des Frauenrings in Celle: EU bleibt Modell mit Strahlkraft
22:44 09.05.2014
Der niedersächsische Landesverband des Deutschen Frauenrings informierte in Celle über die Funktionsweise der EU (von links): Uli Brückner, Gabriele Trzonnek, Petra Herrmann, Gabriele Sabo, Edelgard Büscher, Georgia Langhans und Dirk-Ulrich Mende. Quelle: Alex Sorokin
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Mit gleich zwei Festreden feierte der Landesverband Niedersachsen des Deutschen Frauenrings gestern seinen 36. Europatag – diesmal in Celle. Petra Herrmann, Geschäftsführerin des Laatzener Unternehmens PHOS Support GmbH, spezialisiert auf Unternehmensdienstleistungen in den Bereichen Bildung und Beratung, sprach über Jugendliche in Europa. Uli Brückner von der Bundeszentrale für politische Bildung, Team Europe – Deutschland, stellte sich der Aufgabe, in kompakter Kurzform die Krise Europas zusammenzufassen und zu erklären. Der Ortsring Celle hatte als Ausrichter für den ansprechenden Rahmen und die musikalische Gestaltung gesorgt.Georgia Langhans, Vorsitzende des Ortsrings Celle im Deutschen Frauenring, übernahm in ihrer Begrüßung und Anmoderation auch eine kurze Vorstellung ihrer Arbeit: „Der Deutsche Frauenring tritt seit seiner Gründung 1949 für die Interessen von Frauen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens ein und macht sich für die Verwirklichung der Gleichstellung der Frau und die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern in der Gesellschaft stark. Wir sind unabhängig, überparteilich und überkonfessionell und als einer der größten Frauenverbände bundesweit aktiv“.Außerdem vertrete der Frauenring die Frauen Deutschlands in internationalen und europäischen Organisationen, so Langhans. „Da ist es nur folgerichtig, dass wir uns auch mit europäischen Themen beschäftigen und für mehr Öffentlichkeit einsetzen.“ Auch Gabriele Trzonnek, Vorsitzende des Landesverbands Niedersachsen, unterstrich die Bedeutung Europas als friedenssichernde Werte- und Wirtschaftsgemeinschaft.In ihrem Festvortrag „So nah und doch so fern – Europa und die Jugendlichen“ zeigte Petra Herrmann erfreuliche und alarmierende Entwicklungen gleichermaßen auf. Die Sozialpädagogin hat sieben Jahre lang im Europaparlament in Brüssel gearbeitet, bevor sie zurück nach Niedersachsen kam und hier unter anderem mit der Verteilung von Fördermittel zu tun hat. „Europa ist den deutschen Jugendlichen so nah wie noch nie. Rund 70 Prozent fühlen sich als Europäer – nur 10 Prozent erklären, Europa sei ihnen egal. Fast schon als selbstverständlich nähmen Jugendliche die Freiheit, ungehindert Reisen zu können, in Nachbarländern zu studieren, zu arbeiten, oder dass Ausbildungsabschlüsse und Leistungsnachweise anerkannt werden.“Trotz allem sei der Bezug der deutschen Jugendlichen zu Europa nicht problemlos, betonte Herrmann: „Nach wie vor gibt es hier keinen umfassenden Diskurs über europäische Themen. Politische Debatten bleiben im nationalen Rahmen. Im internationalen Vergleich bestehen große Ungleichheiten, etwa in puncto Jugendarbeitslosigkeit und Ausbildung. Hier gibt es einen großen Handlungsbedarf. Letztlich ist es nur einer privilegierten Schicht von Jugendlichen möglich, die Chancen und Freiheiten Europas zu nutzen.“Das Fazit des Vortrags von Uli Brückner auf die Frage „Hat die Krise Europa stärker gemacht?“: Die EU bleibt eine Baustelle, Themen wie Klimawechsel, soziale Ungerechtigkeiten, die Bevölkerungsentwicklung und Nationalismen stellten den Staatenbund vor große Herausforderungen. In der Welt schaffe der Aufstieg von Schwellenländern neue Konkurrenz zur EU-Wirtschaft, außen- und sicherheitspolitisch gebe es gravierende Veränderungen und neue Bedrohungen. Dennoch sei Europa trotz Krise stabil, betonte Brückner in Celle. Der deutsche Exportmarkt profitiere davon. Brückners Zusammenfassung vom Auslösen der Krise und deren vielschichtigen Folgen mündete in der Bestätigung der EU als beständigem Werte- und Wirtschaftsmodell für die Gemeinschaft von Ländern mit vergleichbaren rechtlichen, politischen und ökonomischen Grundsätzen. Das Modell Europa hat weltweit noch immer Strahlkraft.

Von Doris Hennies